„Wie du atmest, so lebst du.“
Andreas Tenzer
Wir atmen ein. Wir atmen aus. Dieses Wechselspiel bezeichnen wir als Atmung (engl. „breathing“). Die Luftmenge, die bei diesem Vorgang bewegt wird, nennen wir Atem (engl. „breath“).
Das Einzige, das im Leben immer an unserer Seite ist, ist der Atem. Mit dem ersten Atemzug bei unserer Geburt bis zum letzten Atemzug mit unserem Tod ist der Atem unser treuester Begleiter. Ein Leben lang.
Read more: Atem, Atmen, Atmung„Ich bin der Atem.
Kaushitaki-Upanishad
Der Atem ist Leben und das Leben ist Atem.
Denn solange der Atem in diesem Körper weilt,
solange weilt auch das Leben.“
Der altgriechische Begriff für „Atem“ ist „pneúma“. Man übersetzt es auch mit „Lebensatem“, „Hauch“ oder „(Lebens-)Geist“. Du kennst bestimmt die Redewendungen „die Lebensgeister wecken“ oder „jemandem neues Leben einhauchen“.
Ähnliche Konzepte sind „Prana“, „Chi“ oder „Ra“. Schlussendlich sind es alles Energien, die Belebtes durchdringen. Wir nennen diese Energie: Lebensenergie.
Ob wir die Lebensenergie dem Geist (Element Luft) oder der Seele (Element Wasser) zuordnen, ist kontextabhängig und ein „Sowohl-als-auch“.
Die Seele wird auch als Geistseele oder Atemseele bezeichnet. An diesen beiden Begriffen erkennst Du schon, dass Seele und Geist miteinander verwoben sind. „Wer lebt, atmet.“ Wenn wir sterben, hören wir auf, zu atmen, oder „hauchen das Leben aus“.
Die Atemseele erinnert ein wenig an Wind und Luft. Und das altgriechische Wort „ánemos“, auf das die lateinischen Begriffe „Anima“ („Seele“) und „Animus“ („Geist“) zurückgehen, übersetzt sich mit „Wind“ oder „Lufthauch“.
Heute betrachten wir „Seele“ eher losgelöst von Atem, da wir sie als etwas Größeres definieren. Wir setzen Seele gerne mit Psyche gleich. Einen Psychotherapeuten bezeichnen wir ja umgangssprachlich hin und wieder als „Seelenklempner“.
Und auch „Psyche“ bedeutete ursprünglich „Atem“ oder „Hauch“ und wandelte sich erst im Laufe der Zeit zu „Seele“. In der Astrologie ist alles Seelische und Unbewusste dem Element Wasser zugeordnet.
Die Atemseele steht also mit dem „Wind“ in Verbindung. Sie ist vergänglich. Wenn der Wind nicht mehr bläst … Die Geistseele als „Seele“ oder „das wahre Ich“ ist unsterblich. Mit ihr ist es uns möglich, die universellen Wahrheiten zu verstehen, ist sie doch die Verbindung zum Göttlichen. Wir können also Gott oder das Göttliche erkennen.
„Das Göttliche in mir erkennt das Göttliche in Dir.“
Wenn wir daran glauben, dass die Seele schon vor dem Eintritt in unseren Körper existierte – der Glaube an die Unsterblichkeit der Seele –, dann ist jede Erkenntnis eigentlich eine „Wiedererinnerung“.
Auf Erden ist die Seele mit dem Körper verbunden und löst sich, wenn wir sterben. Die Seele ist unsterblich und immateriell, der Funke Gottes, der nie verglüht. Körper und Geist (aus der Trinität Körper, Geist, Seele) kommen und gehen, die Seele stirbt nie.
„The soul is neither born, nor does it ever die;
Bhagavad Gita; Chapter 2, Verse 20
nor having once existed, does it ever cease to be.
The soul is without birth, eternal, immortal, and ageless.
It is not destroyed when the body is destroyed.“
Aber nun zurück zur Atmung als solcher, die sie ist, nämlich ein Gasaustausch des Körpers – Sauerstoff ein und Kohlendioxid wieder aus – und der Frage:
Was wirkt auf unsere Atmung?
- Körperliche Faktoren wie:
körperliche Aktivität (Bewegung), Körpertemperatur oder Hormone. - Psychische Faktoren wie:
Emotionen oder die willentliche Kontrolle des Atems. - Äußere Einflüsse wie:
Luftqualität, Luftdruck oder Gerüche.
Im Allgemeinen kontrollieren unsere Emotionen unsere Atmung. Anders ausgedrückt: Die Atmung ist der Spiegel unserer Emotionen. Mit jeder Emotion ändert sich auch unsere Atmung. Wir atmen schneller und flacher, wenn wir unruhig, nervös, ängstlich oder gestresst sind. Wir atmen langsamer und tiefer, wenn wir entspannt sind.
Wäre es nicht so viel schöner, wenn wir mit unserer Atmung unsere Emotionen kontrollieren könnten und unseren denkenden Geist?
Atmen kann sowohl unbewusst als auch bewusst stattfinden. Selbst wenn wir bewusstlos sind, atmen wir. Genauso wie im Schlaf. Atmen ist für uns eine Selbstverständlichkeit. Wir atmen ein. Wir atmen aus.
Das Gute ist: Auf die Atmung können wir bewusst Einfluss nehmen. Übung macht auch hier bekanntermaßen den Meister. Gelingt es uns, unsere Atmung bewusst zu steuern, so haben wir auch unsere Emotionen unter Kontrolle und können unserem Geist, der sich nur allzu gerne überallhin zerstreut, eine Richtung geben. Du weißt ja: „Where the mind goes, the energy flows.“
„Feelings come and go like clouds in a windy sky.
Thich Nhat Hanh
Conscious breathing is my anchor.“
Die Atmung bringt uns ins Hier und Jetzt. Sie ist ein Anker für unseren Geist. Es ist nicht möglich, gleichzeitig bewusst zu atmen und zu denken. Demzufolge lässt bewusstes Atmen den Geist zur Ruhe kommen. Wenn der Geist zur Ruhe kommt, sind wir ganz bei uns selbst. Die bekannten Redewendungen
- in sich (selbst) ruhen
- die Ruhe selbst sein
- sich nicht aus der Ruhe bringen lassen oder
- in seiner Mitte sein
drücken dies ganz wunderbar aus.
„Nothing is more precious than being in the present moment.
Thich Nhat Hanh
Fully alive, fully aware.“
Die Atmung wirkt wie eine Fernbedienung für unser Gehirn und unser Nervensystem. Mit ihm hast Du ein bewusstes Steuerinstrument, mit dem Du Körper und Geist beeinflussen kannst. Atmung funktioniert zum einen unbewusst und kann zum anderen bewusst gesteuert werden. Das sollten wir uns zunutze machen.
Wie atmest Du so im Verlaufe eines Tages? Schnell, langsam, tief, flach, durch die Nase oder den Mund, für einen Moment vielleicht gar nicht?
Schnarchen ist ein lautes Atemgeräusch im Schlaf. Wenn wir schnarchen, dann atmen wir erschwert aufgrund verengter Atemwege. Darauf aufbauend kann es zu Schlaf-Apnoe kommen, was nächtliche Atemaussetzer sind. Das altgriechische Wort „ápnoia“ bedeutet „ohne Atem“. Oder, um es mit Helene Fischers Worten auszudrücken: „Atemlos durch die Nacht.“
„Gut schläft, wer gar nicht merkt,
Publilius Syrus
dass er schlecht schläft.“

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