Chiron und die Heilung

Jeder von uns trägt irgendeinen Makel, und da kommt Chiron ins Spiel. Chiron symbolisiert diesen Makel, unseren wunden Punkt, unsere Schwachstelle, unseren ganz persönlichen wunden Punkt, unseren Schwachpunkt, unsere Achillesferse. Dieses unangenehme Einfallstor halten wir am liebsten geschlossen.

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Über Chiron im Horoskop erfahren wir mehr über dieses Stück persönliche Unvollkommenheit. Diese Geschichte möchten wir natürlich am liebsten überspringen, denn wer spricht schon gerne über seine Schwachstellen oder seinen wunden Punkt? Keiner, denn kein Mensch möchte sich angreifbar oder verletzbar zeigen. Unsere Schwachstellen fegen wir gerne unter den Teppich, halten sie unter dem Deckel oder breiten den Mantel des Schweigens darüber aus. Auf keinen Fall wollen wir, dass sie ans Licht kommen.

Es hilft jedoch nichts, diese Schwachstelle(n) abzuspalten, denn das Ziel ist ja Ganzwerdung. Das wäre, als wenn der Kentaur Chiron eine Hälfte, das halbe Pferd, abspalten würde.

Der erste Schritt zur Ganzwerdung ist Bewusstwerdung. Hinsehen und die Augen auf die Wunde richten. Die Wunde können wir uns als reale Wunde auf unserer Haut (Saturn) vorstellen. Jeder kann sich selbst vorstellen, was das für ihn selbst sein könnte: eine Schürfwunde, eine Schnittwunde, eine Brandwunde etc. Dort sind wir besonders empfindlich, und wenn jemand auf diese Wunde drückt, dann schmerzt das. Aua! Wir können ein Pflaster auf die Wunde kleben, dann schmerzt es vielleicht weniger, die Verletzung jedoch bleibt. Keiner zeigt gerne eine Schwachstelle, und am liebsten wäre uns, sie bliebe unbemerkt. Wir würden sie gerne abspalten, genau so wie Chiron es versucht hat. Ohne Erfolg, wie wir wissen.

Crack in wall
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Aber es geht eben genau darum, diese Wunde nicht zu ignorieren, sondern sich mit ihr auseinanderzusetzen und sie zu integrieren. Dort, wo unsere Wunde ist, also dort, wo Chiron bei uns im Horoskop steht, genau dort sind wir anders. Und genau das ist in Ordnung. Tut es weh? Ja, sicher. Aber auch das ist in Ordnung. Das Anerkennen unserer Wunde macht den Umgang damit leichter. Eine Redewendung lautet ja nicht umsonst: „Erkenntnis ist der erste Weg zur Besserung“, in unserem Falle Heilung. Wir können auch sagen: „You have to feel it to heal it“ oder „The only way out is through“. Hier findest Du meinen Blog dazu.

Der zweite Schritt ist Akzeptanz. Wir können den Makel nicht loswerden, ignorieren oder überkleben. Auch wenn wir uns lange mit dem Makel auseinandersetzen, er bleibt, saturnisch hartnäckig. Am Ende bleibt einzig und allein die Akzeptanz: „Begrüße, was du nicht verhindern kannst.“

Chiron ist der Brückenbauer =^=.

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Er zieht seine Bahn zwischen den großen Planeten Saturn und Uranus. Saturn können wir mit dem bloßen Auge noch am Nachthimmel erkennen, Uranus nicht mehr. Hier ist der Übergang vom Persönlichen (Sichtbaren) ins Überpersönliche (Unsichtbare).

Saturn ist die Verbindung zur Erde, zur (nackten und ungeschönten) Realität, zum materiellen Körper, zum „halb Pferd“. Er zeigt uns auch, wo unsere Grenzen sind. Uranus ist ein überpersönlicher Planet und damit die Verbindung zum Himmel, zum immateriellen Geist, zum „halb Mensch“. Wassermann/Uranus ist dem Element Luft zugeordnet.

Kleiner Exkurs:

Früher war der Planet Saturn zwei Tierkreiszeichen zugeordnet: Steinbock und Wassermann. Mit der Entdeckung von Uranus im Jahr 1781 wurde Uranus der neue Herrscher von Wassermann. Von der Begrenzung (Saturn) in die Unbegrenztheit (Uranus). Chiron bildet die Brücke.

Mit Chiron lassen wir uranische Energie, die Energie der Andersartigkeit, über unsere Wunde, vielleicht eine Schürfwunde, in unseren Körper (Saturn) rein. Es ist in Ordnung, anders zu sein.

Chiron fand Erlösung, indem er sich aufgeopferte. Erlösung finden wir Menschen durch Neptun, den Planeten, der noch weiter draußen steht als Uranus. Er ist der Planet der allumfassenden Liebe und des All-Eins-Seins. Neptun löst alle Grenzen auf und ermöglicht so die Verbundenheit mit allem und allen. Hier sind wir nicht mehr gespalten in „halb Mensch, halb Pferd“. Körper und Geist sind eins. Wir sind auf einer anderen Ebene des Bewusstseins.

Neptun ist Regent des Zeichens Fische im Element Wasser. Fische ist das letzte Haus im astrologischen Tierkreis: Haus 12. Hier schließt sich der Kreis. Natürlich geht es hier um Erlösung und die Befreiung von allem Leid.

„Auf zu neuen Ufern.“

Aus dem Stück persönlicher Unvollkommenheit kann eine persönliche Besonderheit werden, eine „Eigenart“, etwas, das uns eigen ist. Hier sind wir ureigen und damit anders, und es ist in Ordnung. Wir brauchen diese Eigenart nicht zu verbergen. Wir sind in Ordnung, genauso, wie wir sind.

Chiron ~ In meinem Horoskop

Wo steht Chiron in meinem Horoskop? Es ist wenig überraschend: im unbeliebten 8. Haus, im Haus der Krisen, und auch Verlust ist ein großes Thema. Oft stehen Krise und Verlust im unmittelbaren Zusammenhang. Krisen kann ich, bezeichne mich gerne als krisenerprobt. Krisen machen einsam und einen Menschen häufig zum Sonderling oder Outsider. Jedoch spreche ich nicht gerne darüber. Anderen Menschen kann ich ausgesprochen gut durch Krisen helfen. Ich habe ja viel Erfahrung …

Mit Chiron wurde aus einem vermeintlichen Outsider ein weiser Mensch, ein schicksalhafter Wegweiser. Ich sehe ihn als „Wink des Schicksals“ und als Chance, weil er uns unsere Gabe aufzeigt. Mir ist das oftmals ein Trost.

Chiron zeigt uns ein Stück Menschlichkeit. Schenken wir dem Mythos Glauben, dann wurde Chiron nicht in Liebe gezeugt und direkt nach seiner Geburt verlassen. Heute steht er als Sternbild Kentaur am Himmel. Wir bezeichnen ihn als Verbinder von Himmel und Erde. Ich verneige mich vor solch einem Leben und sage Danke. Danke, dass es in Ordnung ist, unvollkommen zu sein.

Featured Image: Bild „Großblättrige Linde“, Alamy Stock Foto RM ID: DFM3B5