Astrologie
„Es steht in den Sternen geschrieben“, so heißt es in der alten Sterndeutung. Damals, in Zeiten weit vor Christus, als der Glaube noch einen sehr hohen Stellenwert hatte, wurde dem Satz eine andere Bedeutung beigemessen als in modernen Zeiten, wo wir lieber wissen als glauben. Heute wollen wir Gewissheit haben.
Astrologie
kommt aus dem Altgriechischen. „ástron“ bedeutet „Stern“ und „lógos“ „Lehre“. Es ist die Lehre von den Sternen.
Astronomie
entstammt ebenfalls dem Altgriechischen. „ástron“ kennst Du bereits und „nómos“ bedeutet „Gesetz“ oder „Ordnung“. Demzufolge heißt Astronomie „Gesetz der Sterne“ oder „Ordnung der Sterne“.
Den Begriff „Sternkunde“ können wir „sowohl – als auch“ verwenden.
Astrologisch gesehen ist Merkur der Verbinder von Himmel und Erde, von „oben und unten“. Er ist der römische Götterbote, Reisender zwischen Himmel und Erde, Vermittler und Kundschafter. Als Götterbote war er Überbringer des göttlichen Willens an die Menschen in Form von Botschaften, Weisungen und Warnungen. Den Menschen war er somit ein Wegbegleiter.
Ohne den Menschen zwischen Himmel und Erde gäbe es gar keine „Sternkunde“. Wenn Du also an den Menschen als Bindeglied zwischen Himmel und Erde denkst, dann rufe Dir gerne den geflügelten Boten Merkur ins Gedächtnis. In der Astrologie steht Merkur vor allem für Kommunikation, Verstand und Lernen.
„Glauben und Wissen verhalten sich wie die zwei Schalen einer Waage:
Arthur Schopenhauer
in dem Maße, als die eine steigt, sinkt die andere.“
Aus eins …
Man darf davon ausgehen, dass der Mensch den Nachthimmel seit Anbeginn beobachtet, steht er doch zwischen Himmel und Erde. Die beiden Hauptbereiche, die sich mit den Sternen befassen, sind die Astronomie und die Astrologie. Beide beobachten von der Erde aus. Als alles begann, gab es hier keine Trennung, denn beide gingen Hand in Hand. Der Mensch machte keinen Unterschied zwischen Himmelsbeobachtung und Deutung.
… mach zwei
Heute bezeichnen wir die Astronomie interessanterweise als ‚Sternkunde‘, die Astrologie als vermeintliche ‚Sterndeutung‘. Die Astronomie erforscht die „himmlischen Geschehnisse“ und die Astrologie erklärt, wie der Himmel auf die Erde wirkt. Was früher untrennbar miteinander verbunden war, hat sich über die Zeit entzweit. Das eine gilt heute als (Natur)Wissenschaft, das andere als Glaubensfrage. Eines wird gelobt, das andere belächelt.
Blicken wir einmal zurück, so begann die Entzweiung ab dem 17. Jahrhundert mit zunehmendem wissenschaftlichen und technischen Fortschritt. Der Himmel wurde zur Spielwiese von Mathematik und Physik, ein messbarer Ort. Dazu liessen neue technische Errungenschaften wie das Teleskop den Menschen immer weiter in das Weltall vordringen. Die Waagschale „Wissen/Glauben“ geriet in Schieflage.
„Glaube ist das Wissen im Herzen, das keines Nachweises bedarf.“
Khalil Gibran
Astronomie und Astrologie haben sich voneinander gelöst und erscheinen im Vergleich als:
- messbar vs. nicht messbar
- prüfbar vs. nicht prüfbar
- Wissen vs. Glauben oder
- Wissenschaft vs. „Pseudo-Wissenschaft“
Nichtsdestotrotz haben beide eine gemeinsame Herkunft und eine gemeinsame Grundlage: die Sterne. Beide könnten getrost nebeneinander existieren mit gleicher Wertschätzung.
Der Mensch ist ein spirituelles Wesen, das die Welt erforschen und begreifen will. Spiritualität und Religion gab es lange vor den Naturwissenschaften und lieferten bereits zu jener Zeit Antworten auf die Fragen des Lebens. Es gibt kein Besser oder Schlechter, wenn es um Astronomie und Astrologie, um Wissen oder Glauben geht. Die Grenzen des Wissens sind die Kraft des Glaubens.
Denke gerne an das Yin-und-Yang-Symbol: Das eine gibt es nur über das andere, kein Wissen ohne Nichtwissen. Wissen und Glauben schließen sich nicht aus, sondern bedingen einander.

Aus meinem Buch Mein Weg zurück zum Ursprung ©:
Man kann an die Astrologie glauben oder nicht. Wenn man daran glaubt, dass der Mensch ein Teil des Ganzen ist, und den Zusammenhang von
- „Wie oben, so unten“
- „Wie im Himmel, so auf Erden“
- „Das Große im Kleinen und das Kleine im Großen“
für wahr hält, dann erübrigen sich damit schon alle Vorbehalte. Die Astrologie übersetzt das, was „oben“ ist, das Himmlische, nach „unten“, bringt es auf die Erde.
Als ein an der Astrologie sehr interessierter Mensch erlaube ich mir, zu sagen: „Deuten“ kann man nur, wenn man „Kunde“ hat. Die Astrologie deutet, was am Himmel zu sehen ist. Und was am Himmel zu sehen ist, ist durch die Astronomie nachweisbar.
Ich selbst verorte die Astrologie zwischen den Naturwissenschaften (Erde) und den Geisteswissenschaften (Himmel), zwischen Diesseits und Jenseits.
Da der Mensch zwischen Himmel (Glaube) und Erde (Wissen) eingebunden ist, als Teil des großen Ganzen, kann das Ziel immer nur Einheit und Verbundenheit sein und niemals die Trennung, so meine persönliche Überzeugung.
„Astrology is a language.
Dane Rudhyar
If you understand this language, the sky speaks to you.“

Am Anfang war … weder Astronomie noch Astrologie, sondern Dunkelheit, und nur in der Dunkelheit kannst Du die Sterne sehen.
„Calvin: ‚If people sat outside and looked at the stars each night,
Bill Watterson (Calvin and Hobbes)
I’d bet they’d live a lot differently.‘
Hobbes: ‚How so?‘
Calvin: ‚Well, when you look into infinity, you’ll realize that there are more important things than what people do all day.‘“
