Der Geist ist ein Baustein der Trinität Körper-Geist-Seele. Er ist, so wie die Seele, unsichtbar.
Alles, was unsichtbar ist, bekommen wir nur schwer zu fassen. Auch ist es schwierig, Unsichtbares zu definieren. Und genau so ist es mit dem Wort „Geist“.
Read more: Alles nur in meinem KopfWas das Wort „Geist“ betrifft, so gibt es keine einheitliche Definition. In dem bunten Blumenstrauß von „Geist“ finden wir Begriffe wie mental, kognitiv, Gedanken, Denkvermögen, Verstand, Vernunft, Intellekt, Bewusstsein, Psyche und so vieles mehr. Wir müssen also immer genauer hinschauen, um zu erkennen, was gemeint ist.
Eines lässt sich jedoch bereits vorab sagen: Auch wenn der „Geist“ unsichtbar ist, so verbinden wir ihn doch mit Licht und Klarheit. Es ist das Tageslicht, das unser Denken und Denkvermögen fördert und nicht die Nacht. „Geist“ steht auch für Bewusstsein, für inneres Sehen, Erkenntnis und Erleuchtung. Die Bezeichnung von „Geist“ als „klares Licht“ trifft es meines Erachtens sehr schön.
„Das wirkliche Wesen des Geistes ist Licht;
Tenzin Gyatso, 14. Dalai Lama
Verdunkelung kann nur vorübergehend erscheinen.“
Im Englischen gibt es mehrere Begriffe für das Wort Geist:
- Spirit, im Sinne von heiligem Geist oder Seele. Das Wort „Spirit“ leitet sich vom lateinischen „spiritus“ ab, was (Lebens)Atem oder Hauch meint. Vielleicht kennst Du die Redewendung „jemandem Leben einhauchen“.
- Holy Ghost bedeutet ebenfalls heiliger Geist, ist jedoch ein älterer Begriff. Nichtsdestotrotz finden wir ihn noch in Bibelübersetzungen oder Kirchenliedern.
- Mind, der denkende Geist.
- Ghost, so wie wir es heute verstehen, als „Gespenst“ und damit jenes Wesen, das um Mitternacht sein Unwesen treibt. Gemeint ist jedoch der „Geist eines Verstorbenen“. Wir bezeichnen solche Wesen auch als „Untote“. Es sind Verstorbene, die sich körperlich unter den Lebenden aufhalten.
Wenn wir von der untrennbaren Verbindung von Körper und Geist reden, dann meinen wir „Body and Mind“. Für deren Belebung brauchen wir den Atem (Spirit).
„Health is a state of complete harmony
B. K. S. Iyengar
of the body, mind and spirit.“

Im Deutschen ist es ganz ähnlich. Geist kann zum einen der Heilige Geist sein, der Geist Gottes, den wir aus der Trinität Vater, Sohn und Heiliger Geist kennen (siehe Bild oben). Zum anderen kann es auch der denkende Geist sein. Und natürlich kennen auch wir den Spukgeist bzw. das Gespenst, die verstorbene Seele, die in der materiellen Welt zurückgeblieben ist.
Jedoch verstehen wir unter dem Wort „Geist“ vorrangig den denkenden Geist, unser Denkvermögen, unseren Verstand, unseren Intellekt. Der Mensch hat geistige Fähigkeiten, wir nennen sie auch kognitive Fähigkeiten, wobei kognitiv, mit einfachen Worten gesagt, alles beinhaltet, was das Denken betrifft.
„Bewahre dir in allen Dingen die Freiheit des Geistes und sieh zu,
Ignatius von Loyola
wohin er dich führt.“
Denken bedeutet für den Menschen ein großes Stück Freiheit. Die innere Gedankenwelt ist nicht kontrollierbar: „Die Gedanken sind frei.“ Man kann sich an die Vergangenheit erinnern, in der Gegenwart verweilen oder sich die Zukunft ausmalen. Wir haben die Wahl.
Denken ist eine besonders schöne Fähigkeit des Menschen, die ihn von allen anderen Lebewesen unterscheidet. Menschen denken unterschiedlich, denn jeder Mensch kommt mit anderen Prägungen und Erfahrungen daher.
„Was ist das für Volk!
Franz Kafka
Denken sie auch oder schlurfen sie nur sinnlos über die Erde?“
Das Denkvermögen ist ein großes Geschenk. Es schenkt uns lebhafte Erinnerungen und eine grandiose Vorstellungskraft. Unsere Denkfähigkeit kann sowohl unser bester Freund als auch unser schlimmster Feind, Fluch und Segen zugleich sein.
Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber für mich ist es herausfordernd, nicht zu denken oder an nichts zu denken. Die „Spielwiese“ der Gedanken ist einfach riesig, und so fahren die Gedanken hin und wieder auch Karussell oder Geisterbahn. Und sehr oft merke ich, wie wenig ich dann im Hier und Jetzt bin.
Wir leiden meist nicht unter dem Leben selbst, sondern unter den Erinnerungen an die Vergangenheit oder unter den Sorgen, was die Zukunft betrifft. So leiden wir entweder immer noch oder bereits jetzt.
Was die Vergangenheit anbelangt, so können wir die Dramen und Traumata nur aufarbeiten und loslassen. Die Zukunft gestalten wir selbst.
Die Gegenwart bedeutet Leben und damit Sein. Handeln können wir nur im Hier und Jetzt, in der kurzen Zeitspanne, die wir Leben nennen. Und nur von der Gegenwart aus können wir positiv auf die Zukunft einwirken. So sollten wir mit unserer ganzen Aufmerksamkeit im Moment sein, was leichter gesagt als getan ist.
Der denkende Geist funktioniert über unser Gehirn. Das Gehirn ist eine große Verarbeitungszentrale, ein riesiges Netzwerk. Es verarbeitet Daten: Sinneseindrücke, Informationen und Erinnerungen – und das ohne Unterbrechung. Es ist der Platz der unbegrenzten Möglichkeiten. Und genau aus diesem Grund müssen wir ein Auge auf unsere Gedankengänge haben, da diese unser Leben in jeder Hinsicht beeinflussen.

Wir wissen: Gedanken schaffen Realitäten, und damit bist Du, was Du denkst. Wenn wir immerzu negative Gedanken haben, dann wird sich das auf unsere Realität auswirken, indem es uns ein- und beschränkt, was wir genau nicht möchten. Vielleicht beobachtest Du hin und wieder mal, was Dein Geist so denkt, wenn Du Dich in einer bestimmten Situation wiederfindest. Also, ich muss meinen Geist des Öfteren zurückpfeifen, wenn er auf Reisen geht.
Wie gesagt: Unser denkender Geist rumort gerne in der Vergangenheit oder blickt sorgenvoll in die Zukunft. Die Kunst ist es, den Geist im Hier und Jetzt zu verankern, denn die Vergangenheit ist vorbei und die Zukunft noch nicht da. Ganz im Moment zu sein, in der Gegenwart, das ist die wirklich hohe Schule. Wie oft verpassen wir diesen Augenblick?
Ein wunderbares und wirksames Mittel, um unseren Geist im Hier und Jetzt zu verankern, ist die Atmung. Die Atmung ist das Tor zur Gegenwart. Sie bringt uns immer wieder in den gegenwärtigen Moment.
„Breathing in, I calm body and mind.
Thich Nhat Hanh
Breathing out, I smile.
Dwelling in the present moment I know
this is the only moment.“
Interessanterweise gibt es ja eine enge Verbindung von Denken und Atmen. Beide sind über das Nervensystem direkt miteinander gekoppelt. Du merkst es z. B. daran, wie sich Emotionen auf Deine Atmung auswirken. Stress, Angst oder Aufregung führen zu einer schnellen, flachen Atmung (Brust-Atmung). Wir sind im „Fight-or-flight“-Modus. Und umgekehrt wirkt die Atmung auf unsere Gehirnaktivität. So wirkt langsames, tiefes Atmen (Bauch-Atmung) beruhigend auf unseren Geist. Das bewusste Atmen fördert über die Entspannung das klare Denken.
„Der Atem ist die Brücke,
Thich Nhat Hanh
die das Leben mit dem Bewusstsein verbindet,
die Brücke,
die deinen Körper mit deinen Gedanken verbindet.“
In der Astrologie steht der Planet Merkur für den denkenden Geist. Denken wir an den römischen Gott Merkur, den drahtigen, geflügelten Götterboten. Wir sehen ihn mit geflügeltem Helm, Flügelschuhen, einem geflügelten Stab, dem Merkurstab (Caduceus) und oftmals einem Geldbeutel. So lässt sich gut reisen.
Merkur war der Reisende zwischen den Welten; gar in die Unterwelt durfte er reisen. Wobei viele in die Unterwelt reisten – er jedoch kam auch wieder hinaus. Man sagt, er geleitete die Seelen der Verstorbenen sicher in die Unterwelt. Der umtriebige und geschäftstüchtige Merkur war Überbringer von Botschaften und Nachrichten der Götter an die Menschen und umgekehrt. So ist er Verbinder von Himmel und Erde.
Das astrologische Symbol für Merkur sieht so aus:

Salopp gesagt: nach unten verankert und nach oben offen. Das Merkur-Symbol besteht aus Halbkreis (Seele), Kreis (Geist) und Kreuz (Körper) oder, in der richtigen Reihenfolge genannt – vom Sichtbaren zum Unsichtbaren –: Körper, Geist und Seele. Der Geist ist das verbindende Element. Der Götterbote Merkur ist der Vermittler. Er ist der Verbinder aller Ebenen, von oben und unten, von Himmel und Erde.
Wie Du vielleicht weißt, regiert Merkur über zwei Tierkreiszeichen: Zwillinge und Jungfrau. „Geist“ ist eine luftige Angelegenheit und so haben wir es hier mit dem Zeichen „Zwillinge“ zu tun, denn das Denken, die geistliche Beweglichkeit und die Kommunikation finden wir genau dort. Im astrologischen Tierkreis ist es das 3. Haus.
Lass uns noch einen kurzen Abstecher zur Zahl 3 machen. Sie steht für die Synthese oder die Drei-Einigkeit, die Vereinigung von Gegensätzen. Denke auch an: Körper, Geist, Seele oder Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft oder Geburt, Leben, Tod. Oder an das Sprichwort: „Alle guten Dinge sind drei.“ In der Numerologie steht die 3 für Kommunikation und Ausdruckskraft.
„Il n’y a pour l’homme que trois événements:
Jean de La Bruyère
naître, vivre et mourir;
il ne se sent pas naître,
il souffre à mourir
et il oublie de vivre.“
Mögest Du allzeit im Hier und Jetzt bewusst in der Realität sein und den gegenwärtigen Moment leben. Atme ein, atme aus. Denn: Handeln und Gestalten können wir nur in der Gegenwart.
Die Wahrnehmung der Gegenwart ist auch Kopfsache. Um ein negatives Gedankenmuster zu überwinden, starte doch einmal damit, einen negativen Gedanken in einen positiven umzuwandeln. Verwandle das negative Bild in ein positives Bild. Wie würde die positive Version für Dich hier aussehen?
Veränderung beginnt im Kopf!
„Die größte Entscheidung deines Lebens liegt darin,
Albert Schweitzer
dass du dein Leben ändern kannst,
indem du deine Geisteshaltung änderst.“
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