In der Ruhe liegt die Kraft

Boat on quiet water

„In der Ruhe liegt die Kraft“ ist eine bekannte und viel zitierte Redewendung. Wir kennen auch „Gut Ding will Weile haben“ oder „Was der Eile bedarf, ist der Mühe nicht wert“.

„Wenn man seine Ruhe nicht in sich findet,
ist es zwecklos, sie andernorts zu suchen.“

François de La Rochefoucauld
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Aber was genau bedeutet das Wort „Ruhe“? Hier einige Vorschläge:

  • Bewegungslosigkeit
  • Stillstand
  • gleichförmige Bewegung
  • kein Lärm, keine Geräusche
  • Schweigen
  • Untätigkeit, Nichtstun
  • eine Art Ordnung
  • Gelassenheit
  • Ausgeglichenheit
  • Schlaf
  • Bewusst loslassen
  • Ganz bei sich selbst sein

Vermutlich würde jeder Mensch diese Frage unterschiedlich beantworten.

Wie sieht Dein ganz persönliches Bild von „Ruhe“ aus?

Du alleine? Du in der Hängematte? Wie Siddhartha Gautama unter dem Bodhibaum? Ein einsamer Strand? Ein ruhiger, spiegelglatter See? Der Anblick einer meditierenden Person? Ein schlafendes Neugeborenes? Ein leeres Blatt Papier? Die Nacht?

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Und wenn wir von „Ruhe“ reden, meinen wir dann die äußere oder die innere Ruhe?

Ruhe im Außen bedeutet vor allem eine Art Bewegungslosigkeit im Außen und natürlich die Abwesenheit von störendem Lärm und störenden Geräuschen. Was jemand als störend empfindet, ist dabei sehr individuell.

Mit Stille hätten wir komplette Geräusch- und Bewegungslosigkeit. Wir sagen dann: „Es ist totenstill.“

Nachts werden uns Ruhe und Stille besonders bewusst. Wenn es im Außen oder draußen dunkel wird, schiebt sich der Hörsinn in den Vordergrund. Ja, und manchmal da ist sogar die Stille laut.

„Nachts ist man das, was man eigentlich sein soll;
nicht das, was man geworden ist.“

Erich Maria Remarque

Ruhe im Inneren bedeutet eine Art Gelassenheit oder Gleichmut, nicht zu verwechseln mit Gleichgültigkeit. Aber wie erreichen wir diese Gelassenheit? Es reicht ja nicht, zu sagen: „Ab jetzt bin ich gelassen.“ Ich persönlich bewundere Menschen, die gelassen sind, während ich (noch) gerne aus dem Anzug springe bzw. mich in Gelassenheit übe.

Die hohe Kunst ist es, Körper, Geist und Seele oder Körper, Geist und Herz in Einklang oder in (eine) „Ordnung“ zu bringen. Oftmals sind es die Emotionen, die uns aus der „Ordnung“ bringen oder aus der Balance werfen.

Die Verbindung von Körper und Geist ist wechselseitig. Zum einen beeinflusst der Zustand unseres Körpers unseren Geist. Sind wir körperlich angeschlagen, macht unser Geist auch keine Höhenflüge. Zum anderen können wir mit dem Geist unseren Körper kontrollieren: „The mind controls the body.“

Unseren Geist können wir über die Atmung beeinflussen und beruhigen, und es gibt vielerlei Atemtechniken, die hier sehr hilfreich sind.

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„I meet my Self in stillness, and we breathe.“

Unknown

Den Geist zu beruhigen, ist keine leichte Aufgabe. Als Denkapparat speichert unser Geist Unmengen an Informationen, Erinnerungen und Erfahrungen und ist unglaublich kreativ. Er möchte uns fortlaufend beschäftigen. Was wir denken, hat eine Wirkung auf unsere Realität, denn Gedanken formen über Wahrnehmung und Verhalten die Realität („Mind over Matter“ oder „Geist über Materie“). Über Meditationen, Affirmationen und Visualisierungstechniken können wir hier Einfluss nehmen und mit der Zeit unseren Geist und unser Herz beruhigen.

Ich persönlich finde, dass es leichter ist, innere Ruhe zu finden, wenn es im Außen ruhig ist. Ziel ist es aber, das ruhende Auge im Sturm zu sein. Unverblümt ausgedrückt: zu ruhen, auch wenn alles um uns herum zusammenbricht.

„In oder to realize the worth of the anchor
we need to feel the stress of the storm.“

Corrie ten Boom

Innere Ruhe zu finden, ist ein Weg, den wir weder in Eile gehen noch erzwingen können. Es ist Arbeit an und mit uns selbst. Was braucht mein Geist, damit er Ruhe finden kann? Was braucht es, damit ich Ruhe finden kann? Für Ruhe müssen wir uns Zeit nehmen.

Das Gegenteil von Ruhe ist Bewegung. Genauso wie wir körperliche und geistige Bewegung brauchen, so brauchen wir auch körperliche und geistige Ruhe. Das eine geht nicht ohne das andere. Es ist immer Yin (Passivität, Ruhe, Innercise) und Yang (Aktivität, Bewegung, Exercise).

Yin und Yang, Ruhe und Bewegung, Passivität und Aktivität, Mond und Sonne, Nacht und Tag.
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Nur aus Passivität kann neue Aktivität entstehen: „In der Ruhe liegt die Kraft.“ Und nicht nur Kraft, sondern auch Klarheit. Wenn wir immer nur aktiv sind, verschleißen wir. Sind wir über längere Zeit ausschließlich passiv, dann verschleißen wir in gewisser Hinsicht ebenso, denn wir bauen körperlich und geistig ab. Yin und Yang ist ein ständiges Wechselspiel, das eine geht nicht ohne das andere.

Du kannst hier auch gerne an Gartenstauden denken, die sich im Winter in ihre Wurzelballen zurückziehen, um zu ruhen, und um dann im Frühjahr kraftvoll und vital neu auszutreiben. Alles ganz ohne Eile.

„Nature does not hurry, yet everything is accomplished.“

Laozi

Wenn wir lernen, zu ruhen, dann schenkt uns das eine unglaubliche Stärke für alles, was uns begegnet. Wir regenerieren aus der Ruhe heraus.

Wie sieht es mit „Ruhe“ im astrologischen Kontext aus? Wenn es um Regeneration, „Wiederherstellung“ oder „Erneuerung“ geht – und dafür ist Ruhe essentiell –, dann geht unser Blick ins 8. Haus, Zeichen Skorpion, Regent: Pluto, Element Wasser (tiefes, stilles Wasser). Ja, manchmal müssen wir „sterben“, um zu „werden“. Es geht um tiefgreifende Prozesse der Transformation, um die Stille vor dem Sturm. Man kann getrost sagen: Hinterher sind wir ein anderer Mensch.

Die Antwort ist abhängig von der Fragestellung. Den Schlaf und den Rückzug finden wir im 12. Haus/Fische/Neptun, die Gelassenheit und Trägheit gerne im 2. Haus/Stier/Venus, die Gesundheit im 6. Haus/Jungfrau/Merkur usw. Hier sprechen wir eher von der erholsamen Ruhe. Tiefgreifende Regeneration jedoch weilt im berühmt-berüchtigten 8. Skorpion-Haus.

„Change is inevitable,
but transformation is by conscious choice.“

Heather Ash Amara

Ein Ziel jedoch bleibt immer: die Ruhe in der Bewegung zu finden. Viel Glück!

Eye in the storm
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