In der deutschen Sprache findet sich für „Himmel“ lediglich eine einzige Bezeichnung. Es ist der sichtbare und unsichtbare (göttliche) Himmel, das Diesseits und Jenseits zugleich. Manchmal bezeichnen wir den „göttlichen“ Himmel auch als Himmelreich oder das „Reich Gottes“.
Wenn wir von „Paradies“ reden, meinen wir meist den „Garten Eden“, einen Ort des Friedens. Er gilt als verloren, weshalb wir ihn „jenseits von Eden“ im Diesseits suchen dürfen. Wo Verstorbene am Ende hingehen, ist abhängig von Religion, Weltanschauung und Glauben.
Read more: Der Himmel„Der Himmel ist nur da, die Erde zu ergänzen.“
Friedrich Rückert
Das Wort „Himmel“ geht auf das Althochdeutsche „himil“ zurück und auch auf das Germanische „hemila“, das „Decke“ oder das „Bedeckende“ bedeutet. Für „Himmel“ hört man ja manchmal auch Begriffe wie „Himmelszelt“, „Himmelsgewölbe“ oder das Wort „Wolkendecke“. Und in gewisser Hinsicht liegt der Himmel ja wie eine Decke über uns.
Die Begriffe „Himmelskugel“ oder „Himmelssphäre“ sind astronomische Begriffe. Meinen Blog über Erdkugel und Himmelskugel findest Du hier.
Im Englischen wird zwischen „Sky“ und „Heaven“ unterschieden. Den „Sky“ können wir mit dem Auge sehen: „Look at the blue sky!“ Im Deutschen würde man den sichtbaren Himmel als „blauen Himmel“ oder als „Firmament“ bezeichnen, auch wenn dieser Begriff veraltet klingt.
„Heaven“ ist der göttliche, religiöse oder spirituelle Himmel. Es ist der Wohnort Gottes und der Verstorbenen. Wenn man sagt „I’m in heaven“ – wir nennen es: „im siebten Himmel sein“ –, dann befindet man sich in einem Zustand der Glückseligkeit, so als wäre man bereits im Paradies. Ins Paradies kommen könnten wir über die Himmelsleiter, auch „Stairway to Heaven“ genannt.
Ein Geschenk Gottes gleicht einem Geschenk des Himmels oder „A gift from Heaven“.
„Lauter gute Gaben,
Jakobus 1,17; Gute Nachricht Bibel
nur vollkommene Gaben kommen von oben,
von dem Schöpfer der Gestirne.
Bei ihm gibt es kein Zu- und Abnehmen des Lichtes
und keine Verfinsterung.“
Der „Heaven on Earth“ ist der Himmel auf Erden, und das kann das Paradies bzw. der besagte „Garten Eden“ sein.
„Lass den Himmel sich auf der Erde widerspiegeln,
Rumi
auf dass die Erde zum Himmel werden möge.“
Im Französischen gibt es für den Himmel zwei Bezeichnungen: „Ciel“ und „Paradis“. Was ist hier der Unterschied? Was das Wort „Ciel“ anbelangt, so sind das genauer gesagt drei Himmel (franz. „ciels“), von der Erde aus gesehen von nah zu fern:
- der atmosphärische Himmel oder der blaue Himmel
- der astronomische Himmel, kurz gesagt der Nachthimmel oder Sternenhimmel
- der Himmel als Ort, wo „Gott“ zuhause ist
Das französische „Paradis“ hingegen ist der Ort, wo die Seelen der Erlösten nach dem Tod hinreisen. Es ist das Paradies als Ort der Glückseligkeit. Welche Seele möchte nicht dorthin reisen und ewigen Frieden finden? Der Himmel auf Erden ist „le paradis sur terre“ und das Gottesgeschenk ein „cadeau du ciel“.
„Le paradis n’est pas sur la terre,
Jules Renard
mais il y en a des morceaux.“
In jeder Sprache und jedem Kulturkreis werden wir hier interessante Dinge finden. Im Buddhismus beispielsweise finden wir keinen ewigen Himmel bzw. ein Paradies. Man kann zwar auf eine andere Himmelsebene gelangen, aber auch die ist nicht ewig. Lebewesen werden im ewigen Kreislauf (Rad der Wiedergeburten, „Samsara“ genannt, was „beständiges Wandern“ bedeutet) immer wieder neu geboren. Ziel ist das Nirvana, Sanskrit: „nirvāna“, wörtlich: das „Erlöschen“, was die Befreiung von allem Leid meint oder den Ausstieg aus dem Kreislauf der Wiedergeburten.
„Wer an etwas hängt, hat Unruhe.
Udāna VIII. 4. aus dem Pāli-Kanon, Übersetzer: Kurt Schmidt
Wer an nichts hängt, hat keine Unruhe.
Wo keine Unruhe ist, da ist Ruhe.
Wo Ruhe ist, da ist keine Neigung.
Wo keine Neigung ist, da ist kein Kommen und Gehen.
Wo kein Kommen und Gehen ist,
da ist kein Sterben und Wiedergeborenwerden.
Wo kein Sterben und Wiedergeborenwerden ist,
da ist weder diese Welt noch jene Welt noch dazwischen.
Dies ist des Leidens Ende.“
Manchmal hört man ja auch bei uns die Redewendung „im Nirvana verschwinden“, wenn etwas unauffindbar ist.
Ich, für meinen Teil, bin froh, dass es im Deutschen nur dieses eine Wort gibt: Himmel. Es lässt Raum für alles. Und mir persönlich gefällt auch die Vorstellung einer Himmelsleiter.
„Groß ist die Mühe, den Himmel zu ersteigen,
Lucius Annaeus Seneca
doch für die Seele ist es eine Heimkehr.“
Astrologisch arbeiten wir zum einen mit dem astronomischen, realen Himmel sowie dem astrologischen Himmel, dem Tierkreis. Die Astrologie ist eine Symbolsprache und deutet nach dem Grundsatz „Wie oben, so unten“. Oder anders ausgedrückt: Wir bringen den Himmel auf die Erde.
„Aus den Himmelsaugen droben
Heinrich Heine (Aus: Nachts in der Kajüte, 1827)
Fallen zitternd goldne Funken
Durch die Nacht, und meine Seele
Dehnt sich liebeweit und weiter.
O ihr Himmelsaugen droben!
Weint euch aus in meine Seele,
Daß von lichten Sternentränen
Überfließet meine Seele.“


