Aus der griechischen Antike stammen unzählige Sternbilder. Viele dieser Sternbilder gehen auf den berühmten Universalgelehrten Claudius Ptolemäus zurück und 48 dieser Sternbilder sind auch heute noch gültig.
Read more: Historische SternbilderDiese 48 antiken Sternbilder des Ptolemäus sind Teil der heute 88 offiziell anerkannten Sternbilder, die die Internationale Astronomische Union (IAU) im Jahre 1922 verbindlich festlegte.
Und dann gibt es noch die Historischen Sternbilder. Diese gehören nicht zu den oben genannten 88 Sternbildern.
Was bedeutet antik und was historisch bzw. was von beiden ist älter? Antik ist alles, was sich zeitlich auf die Epoche der Antike bezieht. Salopp gesagt: ein bestimmter Zeitraum vor Christus bis ca. 500 n. Chr. Historisch ist alles, was vergangen ist. Wir sagen dann: „Es ist Geschichte.“
„If history were taught in the form of stories,
Rudyard Kipling
it would never be forgotten.“
Und so sind die antiken Sternbilder älter als die historischen.
Das macht die historischen Sternbilder nicht weniger interessant, und so finden wir zum Beispiel die folgenden beiden Sternbilder:
- Die Fliege, lat. Musca, Französisch: la Mouche
Ein Sternbild des Südhimmels und von unseren Gefilden aus nie zu sehen.
Das ursprüngliche Sternbild Biene (lat. Apes) geht zurück auf den niederländischen Astronomen Petrus Plancius (16./17. Jahrhundert). - Das Dreieck, lat. Triangulum, Französisch: le Triangle
Ein Sternbild des Nordhimmels
Dieses Sternbild geht auf den Danziger Astronomen Johannes Hevelius zurück (17. Jahrhundert).
Auf der nachfolgenden Karte findest Du diese beiden Sternbilder la Mouche und le Triangle unten links:

Zu den historischen Sternbildern zählt auch Georgs Harfe oder Psalter Georgs (lat. Harpa Georgii oder Psalterium Georgii). Es hat nichts mit dem Sternbild Leier zu tun, das wiederum zu den 48 Sternbildern der Antike zählt.
Schau mal hier, unten rechts, das Sternbild „la Harpe de George“:

Es geht zurück auf den Astronomen Maximilian Hell und führt uns ins Jahr 1789. Man kann sagen: Er hat es erfunden, das Sternbild „Psalterium Georgii“, auf Deutsch: Psalter Georgs. Aus einer Ansammlung freier Sterne schuf er dieses neue Sternbild zu Ehren von König Georg III. Es war also keine „Neu-Entdeckung“, sondern eher das Ausmachen und Benennen einer vorhandenen „Sternen-Formation“.
Ein Psalter ist ein Musikinstrument, ein Zupfinstrument, genauer gesagt eine griffbrettlose Zither. Sie diente als Gesangsbegleitung. Ihre Blütezeit war im Mittelalter, 12. bis 14. Jahrhundert. Ob nun Leier, Harfe oder Psalter, alle drei sind historische Zupfinstrumente. Ihr Unterschied liegt in der Bauform und im Saitenverlauf.
Ohne Zweifel ist eine Harfe ein himmlisches Instrument. Alleine die Form erinnert an Engelsflügel. Ein Sprichwort sagt:
„Es klingt nicht wohl auf der Harfe, wenn man Gott lästert.“
Hell nannte das Sternbild nicht Psalter bzw. Harfe, weil Georg III. diese Instrumente liebte, sondern in Andeutung an die biblische Gestalt König David und seine Harfe. Es ist die Geschichte von einem Hirtenjungen und Musiker, der zum erfolgreichen und beliebten König von Israel und Juda wurde. In jungen Jahren spielte David Harfe am Hofe von König Saul. Dieser war oft niedergeschlagen und von finsteren Stimmungen heimgesucht. Durch das Harfenspiel verbesserte sich seine Stimmung.
„Wenn nun der Geist Gottes über Saul kam, nahm David die Harfe und spielte darauf mit seiner Hand. So erquickte sich Saul, und es ward besser mit ihm, und der böse Geist wich von ihm.“
1. Samuel 16,23; Lutherbibel 2017
König David löste König Saul um ca. 1 000 v. Chr. als Herrscher ab. Der Weg bis zur Ablösung war von Gewalt, Krieg und Flucht geprägt.
Was man sagen kann, ist: König David galt als königliches Vorbild, als Idealbild eines Königs, als ein von Gott erwählter Herrscher. Er wurde als gottesfürchtig, demütig, gerecht und fromm beschrieben. Sich selbst hielt er nicht für fehlerfrei. Berühmtheit erlangte er durch seinen Sieg über den Riesen Goliath.
Georgs Harfe soll also Georg III. ehren, der ab 1760 bis zu seinem Tod im Jahr 1820 König war, den größten Teil davon König von Großbritannien und Irland (1760–1801). Georg III. ernannte William Herschel zu seinem Hofastronomen, als dieser den Planeten Uranus im Jahr 1781 entdeckte. Herschel selbst nannte den Planeten ursprünglich „Georgs Stern“ (lat. Georgium Sidus).
Inspiriert von dieser Entdeckung und in Würdigung dessen, dass Georg III. Herschel zu seinem Hofastronomen gemacht hatte, schuf Hell das Sternbild Georgs Harfe. Es liegt oder lag in der Nähe des Sternbildes Stier. Oben auf der Sternenkarte findest Du den „Stier“ als „Le Taureau“.
Länder außerhalb Englands fanden den Namen „Georgs Stern“ nicht so toll bzw. zu „national“, aber es dauerte, bis sich der Name „Uranus“ durchsetzte. In England war dies erst 1850 der Fall.
Das historische Sternbild Georgs Harfe oder Psalter Georgs hat eine Verbindung zur Entdeckung des Planeten Uranus. Beide waren zu Ehren von Georg III.
Als Letztes möchte ich Dir noch das historische Sternbild Antinoos (lat. Antinous) ans Herz legen. Heute gehören seine Sterne zum offiziellen oder modernen Sternbild Adler. Antinous wurde mit dem schönen Jüngling Ganymed gleichgesetzt, Mundschenk der Götter im alten Griechenland.
Historische Sternbilder haben sich nicht durchgesetzt und sind nicht Teil der 88 offiziell anerkannten Sternbilder von heute. Trotzdem sollte man wissen, dass es sie gibt, da sie ja trotz allem irgendwie am Himmel stehen.
„Die Geschichte endet nicht mit uns.“
Sokrates


