Helle Sterne werden in den Sternbildern oft mit griechischen Buchstaben versehen. Damit lohnt sich ein Blick, wie ich finde, ins griechische Alphabet.
„Mathematik ist das Alphabet,
Galileo Galilei
mit dessen Hilfe Gott das Universum geschrieben hat.“
Bevor wir uns dem griechischen Alphabet zuwenden, ist es vielleicht interessant zu wissen, dass das lateinische Alphabet, auf dem das deutsche Alphabet beruht, 26 Buchstaben hat. Darüber hinaus kennt das deutsche Alphabet die Umlaute Ä, Ü und Ö sowie das Eszett (ß). Das längste Alphabet der Welt findet sich in Kambodscha: das Khmer-Alphabet mit 74 Buchstaben.
Das griechische Alphabet datiert auf ca. 900 v. Chr. und hat 24 Buchstaben:
- Alpha, Beta, Gamma, Delta
- Epsilon, Zeta, Eta, Theta
- Iota, Kappa, Lambda, My
- Ny, Xi, Omikron, Pi
- Rho, Sigma, Tau, Ypsilon
- Phi, Chi, Psi, Omega
Oder schau gerne hier:

Aus den ersten zwei Buchstaben Alpha und Beta setzt sich der Name Alphabet zusammen.
Am geläufigsten sind uns sicherlich die Buchstaben Alpha, Beta, Gamma, Delta und Omega, vielleicht auch der Buchstabe Pi, der in der Mathematik eine große Rolle spielt.
In der Astronomie werden die griechischen Buchstaben für Sternbilder verwendet, um ihre Sterne unter anderem, aber nicht nur, nach Helligkeit zu kennzeichnen. So erhält der hellste Stern die Bezeichnung Alpha, der zweithellste Stern den Namen Beta, der dritthellste die Kennzeichnung Gamma usw.
Dieses System, das 1603 eingeführt wurde, nennt sich Bayer-Bezeichnung und geht auf den deutschen Astronomen Johann Bayer zurück (1572 bis 1625). Die Bezeichnungen finden sich im Sternatlas bzw. Himmelsatlas „Uranometria“. Enthalten sind ausschließlich Sterne, die mit bloßem Auge zu erkennen waren.
Bei der Bayer-Bezeichnung wird für die Bezeichnung eines Sterns ein griechischer Buchstabe mit dem Genitiv des lateinischen Sternbildnamens kombiniert, so z. B. Alpha Cassiopeiae (Sternbild Kassiopeia, lat. „Cassiopeia“) oder Alpha Tauri (Sternbild Stier, lat. „Taurus“). Trotz begrenztem griechischem Alphabet und neu definierten Sternbildgrenzen ist die Bayer-Bezeichnung auch heute noch aktuell.
Die Internationale Astronomische Union (IAU) hat 88 Sternbilder offiziell festgelegt. Das war im Jahr 1922. Die meisten davon gehen auf den Universalgelehrten Claudius Ptolemäus (ca. 100 bis 160 n. Chr.) zurück, genannt die 48 Sternbilder der Antike. Die meisten hellen Sterne dieser 88 Sternbilder besitzen Bayer-Bezeichnungen.
Oft erhält der hellste Stern eines Sternbildes den Namen Alpha, so wie wir es beispielsweise bei Alpha Centauri finden, dem hellsten Stern im Sternbild Zentaur (lat. „Centaurus“). Manchmal sortierte Johann Bayer jedoch nicht nach Helligkeit, sondern nach der Position im Sternbild. Man darf nicht vergessen, wann Johann Bayer lebte und dass zu dieser Zeit überwiegend mit bloßem Auge beobachtet wurde. Eine exakte Messung war damals unmöglich.
So eine Ausnahme bildet z. B. das Sternbild Zwillinge (lat. „Gemini“) mit den beiden hellen Sternen Pollux und Castor.

Pollux ist der hellste Stern dieses Sternbildes, leuchtet damit heller als Castor. Trotzdem ist Pollux mit der Bezeichnung Beta Geminorum der zweitplatzierte, während Castor mit Alpha Geminorum erstplatziert ist.
Nachfolgend ist eine kleine Liste der bekanntesten hellen Alpha-Sterne und ihrer Sternbilder:
- Sternbild Großer Hund (lat. „Canis Major“)
Hellster Stern: Alpha Canis Majoris, genannt: Sirius
Sirius ist der hellste Stern am Nachthimmel. - Sternbild Bärenhüter (lat. „Bootes“)
Hellster Stern: Alpha Bootis, genannt: Arktur - Sternbild Leier (lat. „Lyra“)
Hellster Stern: Alpha Lyrae, genannt: Wega - Sternbild Fuhrmann (lat. „Auriga“)
Hellster Stern: Alpha Aurigae, genannt: Capella
Große Sternbilder bedienen sich natürlich ausgiebig am griechischen Alphabet.
Das gesamte griechische Alphabet – von Alpha bis Omega – ausgeschöpft haben z. B. das Sternbild Zentaur (lat. „Centaurus“) sowie das bekannte Sternbild Großer Bär (lat. „Ursa Major“). Der „Große Wagen“, der einen Teil dieses Sternbildes ausmacht, zeigt 7 Hauptsterne, Alpha bis Eta.
Wenn das griechische Alphabet nicht ausreicht, verwenden Astronomen weitere lateinische Klein- und Großbuchstaben. Das betrifft riesige Sternbilder wie z. B. das Sternbild Wasserschlange (lat. „Hydra“) oder das Sternbild Schütze (lat. „Sagittarius“).
Von den griechischen Buchstaben kennst Du sicherlich auch die Kombination Alpha und Omega oder „das A und O“, „der Anfang und das Ende“. Es ist der erste und letzte Buchstabe des Alphabets.
„Ich bin das Alpha und das Omega,
Offenbarung 22,13; Elberfelder Bibel
der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende.“
Die Astronomie verwendet darüber hinaus die Flamsteed-Bezeichnung basierend auf dem englischen Astronomen John Flamsteed (1646 bis 1719). Er war der erste königliche Astronom Englands und Verfasser der Sternkataloge „Historia coelestis Britannica“ (1725) und „Atlas coelestis“ (1729). Beide erschienen posthum.
Bezeichnet werden Sterne mit Zahlen anstatt griechischer Buchstaben und dem lateinischen Namen des Sternbildes. Ein bekanntes Beispiel ist der Stern 61 Cygni aus dem Sternbild Schwan (lat. „Cygnus“). Die Flamsteed-Bezeichnungen werden auch heute noch als Ergänzung zu den Bayer-Bezeichnungen verwendet.
„Hebe deine Augen auf,
Weisheit
und du wirst Sterne sehen.“
Featured Image: Foto von NASA Hubble Space Telescope auf Unsplash

