Es war einmal ein König …
und 4 Tiere: ein Stier, ein Löwe, ein Skorpion und ein Fisch. Sie weilten weder auf der Erde noch im Wasser, sondern am Himmel.
Weiterlesen: Die 4 Königlichen Sterne4 starke Charaktere, die als kleines Tierreich ihr Stelldichein am Himmelsgewölbe gaben: der ruhende Stier, der loyale Löwe, der geheimnisvolle Skorpion und der feinfühlige Fisch. Ein starkes Vierergespann. Es waren die 4 königlichen Sterne des Himmels: Aldebaran, Regulus, Antares und Fomalhaut, die in Persien einst als Himmelswächter verehrt wurden.
In der antiken persischen Astrologie und Astronomie – beide gingen früher Hand in Hand – waren die Königssterne Persiens die 4 Wächter über die Himmelsrichtungen und Jahreszeiten. Das war ca. 3 000 v. Chr., was mir unglaublich lange her erscheint. Diese Wächter wachten jeweils über ein Viertel des Himmels und eine Jahreszeit.
„Lange währt die Nacht dem Wachen,
Buddha
lang der Weg dem Wandermüden.
Lange wandert durch die Welten,
wem Erkenntnis nicht beschieden.“
Sie bildeten eine Art Himmelskreuz und jeder dieser Sterne symbolisierte, wie gesagt, eine Himmelsrichtung und eine Jahreszeit. Schau mal hier:
- Aldebaran, hellster Stern des Sternbildes Stier (lat. Taurus)
auch genannt: „Auge des Stiers“, manchmal auch „Herz des Stiers“
Wächter des Ostens. Jahreszeit: Frühling - Regulus, hellster Stern des Sternbildes Löwe (lat. Leo)
auch genannt: „Kleiner König“ oder „Prinz“
Wächter des Nordens. Jahreszeit: Sommer, Sommersonnenwende - Antares, hellster Stern des Sternbildes Skorpion (lat. Scorpio)
auch genannt: „Herz des Skorpions“ oder „Rivale des Ares/Mars“
Wächter des Westens. Jahreszeit: Herbst - Fomalhaut, hellster Stern des Sternbildes Südlicher Fisch (lat. Piscis Austrinus)
auch genannt: „Maul des Fisches“ oder „Herbststern“, manchmal auch „The lonely one“
Wächter des Südens. Jahreszeit: Winter, Wintersonnenwende
Diese 4 Sterne waren zur damaligen Zeit bedeutende astronomische Marker. Sie dienten als wichtige Navigationspunkte sowie für Vorhersagen und Kalenderberechnungen.
„Hebe deine Augen auf,
Aus Japan
und du wirst Sterne sehen.“
Warum „Auge des Stiers“ und „Herz des Skorpions“?
Aldebaran (Sternbild Stier) und Antares (Sternbild Skorpion) sind sogenannte Rote Riesen. Es sind riesige Sterne, die rot oder rötlich leuchten. Genauer gesagt sind es alternde Sterne, wobei es zeitlich etwas ganz anderes ist, ob ein Mensch altert oder ein Stern. Der Brennstoff geht zur Neige, könnte man sagen, und so befinden sich diese Sterne in der Endphase ihres Lebens.
Der Rote Riese Aldebaran ist über 6 Milliarden Jahre alt. Ich habe kein Bild davon, was und wie lange eine Milliarde Jahre ist. Die Dauer seiner Endphase wird mit einigen hundert Millionen Jahren angegeben. Auch dafür reicht meine Vorstellungskraft nicht aus. Für uns Menschen, von denen die allerwenigsten 100 Jahre schaffen, ist es ein unvorstellbarer Zeitraum. Der Rote Überriese Antares ist seinem Ende schon ziemlich nahe und selbst das dauert noch ca. 1 Million Jahre. Auf das Universum bezogen ist das quasi „bald“.
Schau Dir mal hier die beiden Roten Riesen Aldebaran und Antares im Vergleich zur Sonne an:

Alle der 4 königlichen Sterne sind um ein Vielfaches größer als die Sonne. Selbst der kleine Fomalhaut ist doppelt so groß wie unsere Sonne.
Der hellste Stern Aldebaran im Sternbild Stier markiert das Auge des Stiers und die orange-rote Farbe lässt ihn wie ein feuriges Auge erscheinen. Manchmal wird Aldebaran auch das „Herz des Stiers“ genannt, was sich nicht auf den Standort, sondern auf die markante Stellung im Sternbild bezieht. Man könnte Aldebaran als das „Herzstück des Stiers“ bezeichnen und am klaren Nachthimmel ist Aldebaran in der Tat nicht zu übersehen.
Antares aus dem Sternbild Skorpion sitzt zentral in seinem Sternbild, im „Herzen des Skorpions“. Er ähnelt dem Planeten Mars, was die Farbe und Helligkeit anbelangt.
Hier siehst Du das schöne Sternbild Skorpion mit dem hell leuchtenden Antares:

Lass uns nochmals zu Aldebaran zurückkehren. „Aldebaran“ geht auf das arabische Wort „al Dabaran“ zurück, das „der (Nach-)folgende“ bedeutet. Wem nachfolgen? Aldebaran scheint dem Sternhaufen Plejaden nachzufolgen, der sich ebenfalls im Sternbild Stier befindet. Die Plejaden befinden sich an der Schulter des Stiers.
Auf dem nachfolgenden Bild siehst Du das Sternbild Stier mit dem Siebengestirn Plejaden:

Aus meinem Buch Mein Weg zurück zum Ursprung©:
Wenn man im Herbst und Winter nachts in den klaren Sternenhimmel schaut, dann sieht man mit bloßem Auge eine ganz kleine Sternenformation – die Plejaden –, die aussieht wie der »Große Wagen« aus dem Sternbild Großer Bär, nur in Mini.
Die Plejaden sind kein eigenes Sternbild. Sie sind ein Siebengestirn, eine Formation, die sich im Sternbild Stier (Taurus) findet. Was man sieht, sind nur die hellsten Hauptsterne. Tatsächlich sind es Hunderte von Sternen.
Ihre Namen entstammen der griechischen Mythologie. Es sind die 7 Töchter und Nymphen des Titanen Atlas und seiner Frau Pleione: Alkyone, Asterope, Celaeno, Elektra, Maia, Merope und Taygete. Man nennt sie auch »Atlantiden«. Der Titan Atlas ist uns als derjenige bekannt, der das Himmelsgewölbe auf seiner Schulter trug. Orion, der riesenhafte Jäger mit der Bronzekeule, verliebte sich in die sieben schönen Schwestern und stellte ihnen nach. Um die sieben Schwestern zu schützen, setzte Zeus sie zunächst als Tauben und, als die Verfolgung immer noch nicht aufhörte, dann als Sterne in den Himmel. Auch am Nachthimmel sieht es so aus, als fände die Verfolgung ihre Fortsetzung. Das Sternbild Orion liegt ganz in der Nähe und südöstlich des Sternbilds Stier mit den Plejaden. Wir erkennen Orion, der sich dem Stier entgegenstellt.
„Kannst du die Bande des Siebengestirns zusammenbinden oder den Gürtel des Orion auflösen?“
Hiob 38,31; Lutherbibel 2017
fragte Gott Hiob, um dessen menschliche Begrenzung aufzuzeigen.
Die Sternbilder Stier, Löwe und Skorpion zählen zu den ältesten Sternbildern und waren bereits den Sumerern bekannt. Sie fanden sich auf den sumerischen Keilschrifttafeln. Vermutlich ist das Sternbild Stier das älteste Sternbild überhaupt. Das Siebengestirn Plejaden wurde bei den Sumerern als MUL.MUL bezeichnet, was „viele Sterne“ bedeutet. „MUL“ bedeutet „Stern“. Auch die Plejaden finden wir bereits auf den Keilschrifttafeln und späterhin auf der Himmelsscheibe von Nebra. Wir blicken also auf eine sehr, sehr lange Geschichte zurück.
Das Sternbild Stier enthält nicht nur einen Sternhaufen, sondern zwei: die Plejaden und die Hyaden. Die Hyaden bilden eine markante V-Form, den Kopf des Stiers, direkt am Leitstern Aldebaran. Man nennt die Hyaden auch Taurus-Strom.
Aldebaran wird seit Jahrtausenden verehrt. Im alten Babylonien galt er als „Leitstern der Sterne“, da sein Erscheinen die Frühlings-Tagundnachtgleiche markierte und damit den Beginn des babylonischen Jahres. Die Mesopotamier nannten Aldebaran den „Boten des Lichts“. Wie schön!
„Licht kommt nicht vom Licht, sondern aus der Dunkelheit.“
Mircea Eliade
Das Sternbild Stier ist im Spätherbst und im Winter am besten zu beobachten und Du findest es rechts oberhalb des Sternbildes Orion und unter dem Sternbild Fuhrmann. Die Hörner des Stiers ragen in den Fuhrmann und mit Alnath, dem zweithellsten Stern im Sternbild Stier, teilen sich Stier und Fuhrmann gar einen Stern. Ab Mitte Mai ist das Sternbild Stier nicht zu sehen, denn da steht die Sonne im Tierkreiszeichen Stier.
Ein weiterer Hüter des Himmels ist Regulus aus dem Sternbild Löwe. Der Löwe gilt als König der Tiere und als „kleiner König“ ist Regulus zumindest einer der 4 „Könige“. Er markiert die Brust des Löwen oder das Löwen-Herz und genau dort befindet sich dieser strahlende, blau-weiße Stern auch. Regulus ist Teil des Frühlingsdreiecks, das er zusammen mit Spica (Sternbild Jungfrau) und Arktur (Sternbild Bärenhüter) bildet.
Regulus ist für seine außergewöhnlich schnelle Rotation bekannt. Für eine vollständige Rotation um die eigene Achse braucht er gerade einmal 16 Stunden. Bedenke: Verglichen mit der Sonne ist Regulus um ein Vielfaches größer und die Sonne braucht ca. 25–30 Tage für eine Eigenrotation. Im Sinne „Löwe/Sonne/5. Haus“ gebührt Regulus dafür eine Runde Applaus.
Fomalhaut (wörtlich: Maul des Fisches) ist der hellste Stern des Sternbildes Südlicher Fisch, der letzte der 4 königlichen Sterne. Das „Maul des Fisches“ nimmt Wasser auf, und zwar das Wasser, das aus dem Krug von „Wassermann“ (Sternbild Wassermann, lat. Aquarius) strömt. Der Fließweg führt vom Riesenstern Situla (Kappa Aquarii) und mündet in den Stern Fomalhaut von „Südlicher Fisch“. Man kann es auch so ausdrücken: Es ergießt sich aus dem Eimer (Situla) in das Maul des Fisches (Fomalhaut). Der Wasserfluss wird „Fluvius aquarii“ genannt, der lebenspendende Fluss des Wassermanns.
„The sound of water says what I think.“
Zhuangzi
Alle 4 Sternbilder (Stier, Löwe, Skorpion und Südlicher Fisch) zählen zu den 48 antiken Sternbildern des griechischen Gelehrten Claudius Ptolemäus (ca. 100 bis 170 n. Chr.). Sie blicken auf eine lange Geschichte zurück und haben doch nichts von ihrem Glanz verloren.
„Die Sterne, die begehrt man nicht,
Johann Wolfgang von Goethe
Man freut sich ihrer Pracht,
Und mit Entzücken blickt man auf
In jeder heitern Nacht.“
Und der Mensch? Ja, der weilt auf der Erde. Fomalhaut, Regulus, Antares und Aldebaran sind alle um ein Vielfaches größer als die Erde. Es sind Giganten, deren Ausmaß wir nicht einmal erahnen können.
Gemessen an der Größe des Universums ist die Erde nur eine Winzigkeit. Ein Staubkorn im Universum. Und wir? Als Menschen bestehen wir ganz glanzlos aus Molekülen und Atomen, aus Sternenstaub. Wir sind also aus Staub entstanden und zerfallen irgendwann wieder zu Staub. Die Elemente, aus denen alles Leben auf der Erde entstanden ist und so auch wir, entstammen Sternenexplosionen. Alles ist Sternenstaub.
„We are made of star-stuff.“
Carl Sagan
Auch die Bibel formuliert es ganz nüchtern:
„Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zu Erde wirst, davon du genommen bist. Denn Staub bist du und zum Staub kehrst du zurück.“
1. Mose 3,19; Lutherbibel 2017
Aber in dieser Zeitspanne von „Staub zu Staub“, in diesem Raum von Begrenztheit, sind wir Mensch zwischen Himmel und Erde. Wir können himmlische Dinge auf der Erde bewirken und unsere Lebensaufgabe erfüllen. Wie sieht Deine „königliche Mission“ aus?

„Die Sonne lehrt alle Lebewesen die Sehnsucht nach dem Licht. Doch es ist die Nacht, die uns alle zu den Sternen erhebt.“
Khalil Gibran
Featured Image: iStock ID 927817196

