Die Plejaden

Plejaden, auch: Pleiaden: die Sieben Schwestern bzw. die sieben Töchter von Pleione und Atlas
Lateinisch: Pleiades
Englisch: Pleiades
Französisch: Pléiades

Die bekannten Plejaden sind kein eigenes Sternbild, sondern eine Anhäufung von Sternen. Genauer gesagt sind sie ein offener Sternhaufen im Sternbild Stier. Es sind über 1 000 Sterne, aber mit bloßem Auge erkennen wir nur einige wenige, genauer gesagt nur sieben von ihnen. Daher auch der Name Siebengestirn. Auch wenn diese sichtbare Sternenkonstellation von 7 Sternen am Nachthimmel sehr klein erscheint, so ist sie doch unverkennbar. Für mich hat diese Sternenkonstellation etwas Zauberhaftes bzw. Mystisches.

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„Ein eigentümlicher Zauber
umgibt das Erkennen von Maß und Harmonie.“

Carl Friedrich Gauß

So sehen die Pleiaden aus:

Die Plejaden (M45)
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Erinnern sie Dich nicht auch an den „Großen Wagen“ in Mini? Die Plejaden sind auf der Nordhalbkugel nicht das ganze Jahr über sichtbar. Wieso das so ist, dazu später mehr.

Woher das Wort „Plejaden“ stammt, ist nicht eindeutig geklärt. Möglicherweise entstammt es dem griechischen Mythos, der Geschichte der Sieben Schwestern, deren Mutter Pleione, eine Nymphe, war. Das wäre die simpelste Erklärung: Pleione → Pleiaden.

Vielleicht geht der Begriff „Plejaden“ aber auch auf das altgriechische Wort „plein“ zurück, das „segeln“ oder „mit dem Schiff fahren“ bedeutet. Die Plejaden wurden manchmal auch als „Segelsterne“ bezeichnet. Wurden die Plejaden in Griechenland im Mai am Himmel wieder sichtbar, so läutete dies die sichere Seefahrt ein. Wenn sie im November wieder verschwanden, war das auch das Ende der sicheren Seefahrt und die Schiffe blieben im Hafen. So fungierten die Plejaden als eine Art Kalender. Eine schöne Vorstellung, wie ich finde.

Der bekannte Dichter der griechischen Antike Hesiod erwähnte die Plejaden in seinem Lehrgedicht „Werke und Tage“ um ca. 700 v. Chr. und leitete von ihnen eine Art Kalender für die Bauern und die Seefahrt ab.

„Gehen des Atlas Töchter am Himmel dir auf, die Pleiaden,
Magst du die Ernte beginnen, die Saat, wann nieder sie sinken.“

Hesiod (Aus: Werke und Tage, Das Jahr des Bauern)

Und wenn Dir das schräg vorkommt: Tatsächlich war es so, dass die Getreideernte im antiken Griechenland Anfang Mai stattfand und die Aussaat im November.

Und zur Seefahrt schrieb er:

„Hat dich jedoch Verlangen erfasst nach stürmischer Seefahrt, –
Wisse: Sobald die Pleiaden die schreckliche Macht des Orion
Scheuend, hinab jetzt sinken zur blaudurchdunkelten Meerflut,
Dann rast sämtlicher Stürme Geheul aus jeglicher Richtung.
Nimmer belass dann in dunkelfarbenen Wogen das Schifflein.
Lass dir raten und sei mir bedacht, dein Feld zu bestellen!
Ziehe das Schiff hingegen an’s Land und stütz es mit Steinen.“

Hesiod (Aus: Werke und Tage, Seefahrt)

Wie schon gesagt, sind die Plejaden kein eigenes Sternbild, sondern als Siebengestirn eine markante Sternenkonstellation – auch Asterismus genannt –, die sich im Sternbild Stier (lat. „Taurus“) findet. Was man aus diesem offenen Sternhaufen von über 1 000 Sternen heraus sieht, sind nur die hellsten Hauptsterne. Niemand wird wohl je ganz genau nachgezählt haben.

Auf dem nachfolgenden Bild siehst Du das Sternbild Stier mit dem Siebengestirn Plejaden. Die Plejaden befinden sich an der Schulter des Stiers.

Sternbild Stier (lat. Taurus) und die Plejaden (M45)
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Aldebaran ist der hellste Stern im Sternbild Stier, auch genannt: Alpha Tauri oder „Auge des Stiers“. Die orange-rote Farbe von Aldebaran lässt ihn wie ein feuriges Auge erscheinen. Mehr dazu findest Du hier.

Aldebaran zählt zu den Roten Riesen, die rot oder rötlich leuchten. Es sind alternde Riesen, deren Wasserstoff aufgebraucht ist und die allmählich abkühlen. Im Sinne des Universums sind Begriffe wie „alternd“ und „allmählich“ natürlich relativ. Bedenken wir, dass Aldebaran über 6 Milliarden Jahre alt ist, älter als unsere Sonne. Ich selbst kann mir diese Zeiträume nicht vorstellen. Für mich ist „alternd“ ein überschaubarer Zeitraum. Das sehe ich an mir.

Und nun lass uns zurück ins alte Griechenland reisen. Damals …

Der Titan Atlas und seine Gattin Pleione, eine Nymphe, hatten sieben Töchter: Alkyone, Asterope, Celaeno, Elektra, Maia, Merope und Taygete. Man nannte sie auch „Atlantiden“. Die älteste von ihnen war Maia.

Zunächst einmal … Wer war dieser Atlas eigentlich?

Die alten Götter, die Titanen, angeführt von Kronos (Vater des Zeus), führten Krieg gegen die neuen Götter des Olymps, angeführt von Zeus. Dieser Krieg wird auch als „Krieg der Titanen“ oder „Titanomachie“ bezeichnet. Der Titan Atlas kämpfte an der Seite von Kronos. Nach vielen Jahren verloren die Titanen diesen Kampf und viele der Kämpfer wurden in die tiefste Unterwelt verbannt. Für den Titanen Atlas hatte sich Zeus eine ganz besondere Strafe ausgedacht und so schickte ihn Zeus an den westlichsten Rand der Erde und verdonnerte ihn dazu, für immer das Himmelsgewölbe (Uranos) auf seinen Schultern zu tragen.

Und nun zurück zu seinen sieben Töchtern.

Orion, der riesenhafte Jäger mit der Bronzekeule, verliebte sich in die sieben schönen Schwestern und stellte ihnen nach. Heute würden wir ihn als „Stalker“ bezeichnen. Sie wiederum wollten nichts von ihm wissen, was seinen hartnäckigen Annäherungsversuchen keinen Abbruch tat. Und so baten die Schwestern Zeus um Erbarmen. Um die Sieben Schwestern vor Orion zu schützen, setzte Zeus sie zunächst als Tauben und, als die Verfolgung immer noch nicht aufhörte, dann als Sterne in den Himmel. In so einem Sternenhaufen wird man ja auch nicht so schnell gefunden.

Auch am Nachthimmel sieht es so aus, als fände die Verfolgung ihre Fortsetzung. Das Sternbild Orion liegt ganz in der Nähe und südöstlich des Sternbilds Stier mit den Plejaden. „Orion“ folgt dem „Stier“ Richtung Westen, ist seiner Beute also dicht auf den Fersen. Das Sternbild Stier geht also vor dem Sternbild Orion auf.

Darauf basierend findest Du ein Bild mit allen 3 Konstellationen:

  • Das Sternbild Orion unten mit dem markanten Gürtel des Orion. Diese 3 Gürtelsterne sehen aus wie eine Dreierreihe. Sie machen das Sternbild Orion leicht erkennbar. Der helle, rötliche Stern im Sternbild Orion ist Beteigeuze (auch: Alpha Orionis). Er ist auch Teil des bekannten Winterdreiecks.
  • Das Sternbild Stier weiter oben mit dem leuchtenden Aldebaran.
  • Die Plejaden rechts des Sternbilds Stier.
Foto von Marc Sendra Martorell auf Unsplash

Nun magst Du Dich vielleicht fragen, wieso Zeus den Sieben Schwestern half, wo er doch mit Atlas spinnefeind war.

Er hatte Mitleid und auch ein persönliches Interesse. Zeus fand nicht nur selbst großen Gefallen an den Töchtern des Atlas, sondern hatte mit drei der sieben Schwestern sogar intime Beziehungen: mit Maia, Elektra und Taygete. Den Beziehungen ging ja oft die Verführung voraus. Die Liaison von Zeus und Maia brachte den späteren Götterboten Hermes (röm. Merkur) hervor. Die Schützenhilfe von Zeus war also nicht ganz uneigennützig.

Nachfolgend siehst Du eine historische Sternkarte mit den Sternbildern Orion und Stier (franz. „Le Taureau“). Du erkennst Orion, der sich dem Stier entgegenstellt, und den kraftvollen, kampfbereiten Stier, der sich schützend vor die Plejaden stellt. Die Plejaden (franz. „les Pléiades“) findest Du nahe der Ekliptik (gestrichelte Linie) an der Schulter des Stiers oder links von „La Mouche“.

Sternbild Orion, Sternbild Stier und die Plejaden
Foto von The New York Public Library auf Unsplash

Der Mythos erzählt von der sehnsüchtigen und ewigen Jagd von Orion auf die Plejaden, die auf der Erde begann, dem Mythos nach dort sieben Jahre andauerte und am Nachthimmel seine Fortsetzung fand und findet.

„Kannst du die Bande des Siebengestirns zusammenbinden
oder den Gürtel des Orion auflösen?“

Hiob 38,31; Lutherbibel 2017

fragte Gott Hiob, um dessen menschliche Begrenzung aufzuzeigen.

Der griechische Dichter Pindar, der im 6. und 5. Jahrhundert v. Chr. lebte, nannte das Siebengestirn „Peleiades“. Das altgriechische Wort „Peleiádes“ übersetzt sich mit „Tauben“. Zeus verwandelte die Sieben Schwestern ja zunächst in Tauben, um sie zu retten, bevor er sie am Sternenhimmel verewigte.

Tauben waren und sind ein Symbol für Liebe, Sanftmut und Frieden. Im alten Griechenland waren sie das Begleittier der Aphrodite (röm. Venus), Göttin der Liebe und Schönheit. Sie galten als heilig und auch heute noch ist die Friedenstaube ein internationales Symbol für den Frieden.

„Und ich sprach: Hätte ich doch Flügel wie die Taube,
ich wollte hinfliegen und ruhen.“

Psalm 55,7; Elberfelder Bibel

Mögen die sieben zauberhaften Schwestern ewig am Nachthimmel ruhen und uns Menschen auf der Erde mit ihrem Anblick erfreuen. Symbolisch stehen sie für Schwesterlichkeit und weiblichen Zusammenhalt. Und so dürfen vor allem wir Frauen uns gerne an ihre Geschichte erinnern, wenn uns dieses Siebengestirn vom klaren Nachthimmel entgegenblickt.

Und nun zu der Frage, warum wir die Plejaden bei uns nicht das ganze Jahr über sehen können. Im Frühling (von ca. 21. April bis ca. 21. Mai) steht die Sonne im Tierkreiszeichen Stier. Damit stehen in diesem Zeitraum die Plejaden ebenfalls sonnennah bzw. werden von der Sonne überstrahlt, weshalb sie für uns nicht sichtbar sind. Sie gehen quasi mit der Sonne auf und unter. Erst wenn die Sonne auf ihrer scheinbaren Bahn, der Ekliptik, weiterwandert, kommen das Sternbild Stier und die Plejaden wieder zum Vorschein.

„Das Universum kann man weder erklären noch begreifen,
nur anschauen und offenbaren.“

Friedrich Schlegel
Image by Frank Rietsch from Pixabay

Abschließend sei die Himmelsscheibe von Nebra erwähnt, von der Du bestimmt schon einmal gehört hast. Sie zeigt 7 nahe beieinanderliegende Sterne, die von Wissenschaftlern als das Siebengestirn Plejaden gedeutet werden. Die Himmelsscheibe wird auf das Jahr 1800 bis 1600 v. Chr. datiert, d. h. in die frühe Bronzezeit. Nebra bezeichnet den Fundort der Scheibe in Sachsen-Anhalt, wo sie im Jahr 1999 von Raubgräbern mit einem Metalldetektor zum Vorschein kam. Kein erstrebenswerter „Beruf“ und dennoch ein großer Glücksfall.

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