„Halt mich, nur ein bisschen
Bis ich schlafen kann“,
sang schon Herbert Grönemeyer.
Wie beneidenswert es ist, gut schlafen zu können, weiß man erst, wenn man nicht gut schlafen kann, so wie ich. Seit Jahren geht das nun schon so und wenn ich die Strecke bemessen sollte, die ich im Bett hin- und hergewandert bin, dann käme das wohl einem Langstreckenlauf gleich. Nacht für Nacht sinke ich ein in ein endloses Gedankenmeer und lasse mich treiben.
Egal, ob wir schlafen, träumen oder uns treiben lassen, wir sind im Reich von Neptun, dem römischen Gott der Meere.

„My eyelids are heavy,
Unknown
but my thoughts are heavier.“
Ich bin nicht der einzige Mensch auf der Welt, der Schlafprobleme kennt. Es wird gesagt, dass ca. 50 % der Menschen schlecht schlafen können, Trend zunehmend. In der Zwischenzeit mache ich mir hier keinen Druck mehr und so ist über die Jahre zunehmend Gelassenheit eingekehrt und auch Neugierde, warum Körper, Seele und Geist sich des Nachts so schwer tun, loszulassen. Es wird einen Grund geben und mein Zwillinge-Mond ist natürlich voller Neugier.
Vielleicht liegt meine Anfälligkeit für Schlafstörungen an meiner starken Jungfrau-Betonung, denn „Jungfrau“ ist das wachsamste Zeichen des ganzen astrologischen Tierkreises. Ich habe wache Sinne und es ist bekannt, dass sich „Jungfrau“ häufig in einer Art Alarmbereitschaft befindet. Schlaf jedoch lässt sich weder planen noch kontrollieren noch perfektionieren. Man „muss“ und darf Vertrauen haben (Fische/Neptun). Ich aber sage gerne: „Vertrauen ist gut. Kontrolle ist besser.“ Das hat auch mit meiner Vergangenheit zu tun.

„The best bridge between despair and hope is a good night’s sleep.“
E. Joseph Cossman
Das Zeichen Fische liegt dem Zeichen Jungfrau genau gegenüber – in Opposition – und mit dem Aspekt der Opposition (180°-Winkel) geht es um Bewusstwerdung, was ein Prozess ist, so auch bei mir. Im astrologischen Tierkreis wird das Erdzeichen Jungfrau auch als „Mutterboden“ bezeichnet: bodenständig, geordnet und strukturiert. „Jungfrau“ ist eine Strukturgeberin, ein bewusster Mutterboden. Das Wasserzeichen Fische können wir als unbewussten Mutterboden bezeichnen.
„Das Unbewusste ist gewissermaßen der Mutterboden,
C. G. Jung
aus dem Bewusstsein wächst.“

Ganz besonders neidisch bin ich auf den seligen Schlaf von kleinen Babys, wenn sie ganz „Mond“ sind: eingebettet in ein wohliges Gefühl von Geborgenheit, Sattsein und Sicherheit. „Halt mich, nur ein bisschen …“
Geborgenheit hat viel mit Vertrauen zu tun. Beides bedingt und verstärkt sich. Wenn wir uns geborgen fühlen, können Körper, Seele und Geist entspannen. Wir sind behütet und beschützt. Fehlt uns diese Geborgenheit, dann bleibt ein Gefühl von Unsicherheit. Wir müssen dann auf uns selbst vertrauen. Sich selbst zu vertrauen bedeutet, sich den eigenen Unsicherheiten und Ängsten zu stellen. Gerade wenn das Ur-Vertrauen fehlt, das in den ersten Lebensmonaten entsteht oder auch nicht, bleibt eine ständige Verunsicherung. Wie groß ist Dein Vertrauen? Bist Du mit Urvertrauen gesegnet?
„In Frieden will ich mich hinlegen und gleich schlafen;
Psalm 4,9; Elberfelder Bibel
denn du, HERR, allein lässt mich in Sicherheit wohnen.“
Im astrologischen Tierkreis finden wir den Schlaf im letzten Haus, dem 12. Fische-Haus, regiert von Neptun und dem alten Herrscher Jupiter (das „große Glück“ oder der „große Wohltäter“). Das 12. Haus ist ein Wasser-Haus, veränderliches Wasser. Das Element Wasser steht für das Unbewusste und unsere Emotionen.

„Das Prinzip aller Dinge ist das Wasser.
Thales von Milet
Aus Wasser ist alles und ins Wasser kehrt alles zurück.“
Mit Wasser geht es um Regeneration und Heilung und das ist beim Schlaf ganz genauso. Er ist eine natürliche Form der Regeneration. Schlaf ist nicht nur ein Bedürfnis, sondern eine Notwendigkeit. Ohne Schlaf können wir nicht überleben.
Aber was ist Schlaf überhaupt? Es verwundert vielleicht ein wenig, zu hören, dass es keine klare Definition von „Schlaf“ gibt. Man kennt die Funktion von Schlaf und weiß um seine Merkmale.
Was wissen wir über Schlaf? Lass uns ganz im Sinne von Jungfrau-Merkur brainstormen:
- Unbewusst
- Wiederkehrend
- Umkehrbar, d. h., man kann jederzeit geweckt werden, anders als bei Koma und Narkose
- Ein aktiver Prozess, Immun- und Hormonsystem laufen auf Hochtouren. Wir Menschen empfinden Schlaf als passiven Zustand.
- Veränderter Bewusstseinszustand, vermindertes Bewusstsein
- Herabgesetzte Reaktion auf Außenreize
- Reduzierte Motorik
- Niedrigerer Blutdruck und geringere Atemfrequenz
- Dient der Regeneration von Körper und Geist
- Träume
- Geschieht in Zyklen, Wechsel von Tief- (NREM-Schlaf) und Traumschlaf (REM-Schlaf)
Schlaf ist eine Art „Bewusstlosigkeit“, könnte man sagen.
Insgesamt scheint mir das Thema Schlaf nebulös und verschwommen, was wunderbar zu Neptun passt. Auch die Bewusstlosigkeit passt gut zu Fische/Neptun.

„Gäb es keinen Schlaf und Ohnmacht, wir hätten keinen Begriff vom Tod.“
Jean Paul
Wie schon erwähnt, verorten wir den Schlaf im 12. Haus/Fische/Neptun. Demgegenüber ist das 6. Haus/Jungfrau/Merkur. Die „Jungfrau“ wird ja häufig als „Wächterin“ bezeichnet, genauer gesagt als „Wächterin der Ordnung“. Sie ist wie ein Wachturm mit 360°-Blick und nimmt bewusst wahr, was in ihrer Umwelt, im Außen, passiert. Mit ihrem guten Gespür für Gefahren reagiert sie sofort, wenn etwas nicht in Ordnung ist.
Das Zeichen Fische dagegen hat ein großes Gespür dafür, was im Innen vor sich geht. Ruhe und Vertrauen sind hier bestimmend, sich dem Fluss des Lebens anvertrauen. Die Achse Haus 6/Haus 12 können wir auch mit Wachen und Schlafen, Wachzustand und Schlafzustand, Augen auf und Augen zu übersetzen.
Fische/Neptun verbinden wir mit Chaos und Jungfrau/Merkur mit Ordnung. Wenn wir den Schlaf im 12. Haus verorten, dann können uns Schlafroutinen und Schlafhygiene helfen, „schlechtem“ Schlaf entgegenzuwirken und die Schlafqualität zu verbessern. Routinen und Hygiene sind klassische 6. Haus-Jungfrau-Themen.
Alles in der Natur ist zyklisch. Das ist ein universelles Gesetz. Es sind die Zyklen von „Tag und Nacht“, „Werden und Vergehen“, von „Leben und Sterben“. Und so folgt auch der Schlaf gewissen Phasen und Zyklen:
- Einschlafphase
- Leichtschlafphase
- Tiefschlafphase
Diese 3 Phasen zählen zur NREM-Phase (Non-Rapid Eye Movement).
- REM-Schlafphase (Rapid Eye Movement) oder Traumschlaf
Diese Schlafphasen wiederholen sich nachts in derselben Reihenfolge, ein Wechsel zwischen NREM- und REM-Phasen. Ein Durchgang dauert ca. 90 Minuten. In der Nacht verändert sich jedoch die Zeit, die wir in den einzelnen Phasen verbringen. Am Anfang dominiert insbesondere der Tiefschlaf, gegen Morgen dann der Traumschlaf. Und so schlafen wir mal tiefer und mal weniger tief.

Wir regenerieren im Tiefschlaf und träumen im REM-Schlaf. In der Nacht integrieren und verarbeiten wir die Geschehnisse des Vortages. Wenn wir schlecht schlafen, merken wir das am Folgemorgen. Wir sind nicht erholt, sondern fühlen uns „gerädert“, schläfrig, energielos, unkonzentriert, gereizt und oft „zu nichts zu gebrauchen“. Manchmal erleben wir es so, als hätten wir die ganze Nacht durchgearbeitet oder als kämen wir gerade von der Arbeit.
Ein Mensch verschläft ca. 1/3 seines Lebens. Wie viel Schlaf ein Mensch braucht, ist individuell, jedoch liegt das Minimum bei 6 Stunden. Neugeborene verschlafen die meiste Zeit, bis sich ein Schlaf-Wach-Rhythmus entwickelt. Wir wissen, dass Schlaf für Kinder wesentlich ist für Wachstum und Entwicklung. Daher rühren auch die Ausdrücke „im Schlaf wachsen“ oder „im Schlaf lernen“. Alles Erlernte und Erfahrene will verarbeitet werden und dafür braucht es Schlaf. Bei Erwachsenen dient der Schlaf vor allem der Regeneration.
„Der Schlaf ist der heilige Versuch der Natur, die Tageswunden zum Verheilen zu bringen. Den Schlaf vorzeitig unterbrechen heißt, heilige Verbände abreißen.“
Peter Altenberg
Der Schlafbedarf nimmt im Laufe des Lebens ab. Vielleicht spürt der Mensch ja unbewusst, dass irgendwann der ewige Schlaf kommt. „Wacht auf! Zum Schlafen haben wir die Ewigkeit“, schrieb der persische Astronom Omar Khayyam.
„Jeder Tag ist ein kleines Leben – jedes Erwachen und Aufstehen eine kleine Geburt, jeder frische Morgen eine kleine Jugend, und jedes Zubettgehen und Einschlafen ein kleiner Tod.“
Arthur Schopenhauer
Die Ähnlichkeit von Schlaf und Tod ist offensichtlich: regungslos, Zustand der Bewusstlosigkeit, geschlossene Augen, entspannte Muskeln usw. Im griechischen Mythos sind die Götter Hypnos (Schlaf) und Thanatos (Tod) Zwillingsbrüder. Arthur Schopenhauer bezeichnete den Schlaf als „kleinen Bruder“ des Todes.
Vielleicht haben Schlafstörungen auch mit der Angst vor dem Tod zu tun. Wer weiß das schon.
Wie ist das bei Dir? Schläfst Du, wenn Du müde bist? Gönnst Du Dir genug Ruhepausen am Tag? Wie geht es Dir mit „Nichtstun“? Empfindest Du Ruhe erst dann als „verdient“, wenn Deine To-do-Liste abgearbeitet ist? Lebst Du im Einklang mit Deiner „inneren Uhr“ oder dagegen? Hast Du den Mut, zu schlafen, wenn Du müde bist?
„Ein aufgewühlter Geist ist ein unruhiges Kissen.“
Charlotte Brontë
Schauen wir in die Tierwelt, so sehen wir auch hier: Jedes Tier muss schlafen.

Tiere schlafen unterschiedlich lange. Und während eine Giraffe oder ein Elefant mit 2 Stunden Schlaf am Tag auskommen, schläft ein Koalabär gut und gerne 22 Stunden. Schlaf bedeutet auch hier Regeneration, aber zugleich auch Verwundbarkeit bzw. Kontrollverlust.
Es gibt Tag- und Nachtschläfer, Kurzschläfer und Langschläfer und Sonderlinge wie Delfine, die mit nur einer Gehirnhälfte schlafen, Fledermäuse, die während des Schlafens nicht von der Decke fallen, Vögel, die während des Fluges schlafen, und viele andere Exoten.

„Schlafen wie ein Murmeltier“, so lautet eine bekannte Redewendung. Murmeltiere verbringen einen Großteil ihres Lebens im Schlaf, denn ihr Winterschlaf dauert 6 bis 7 Monate, von ca. Oktober bis ca. April. Sie schlafen in Familienverbänden, dicht aneinandergemurmelt. Wenn jemand wie ein Murmeltier schläft, dann schläft dieser jemand lange und tief.
Schlaf scheint ein elementares Bedürfnis zu sein. Ohne Schlaf ist die Funktion von Körper und Geist nicht gegeben. Schlafen ist Erholung, dessen Gegenteil Anstrengung ist. Nach einer Phase der Aktivität (Anstrengung) folgt naturgemäß eine Phase der Passivität (Ruhe). Wir atmen ja auch nicht die ganze Zeit nur ein, sondern ein und aus. Daraus entsteht ein Gleichgewicht. Es ist analog Yin und Yang, den beiden gegensätzlichen Kräften, deren Balance wesentlich für das Entstehen von Harmonie und Gesundheit ist.

Wir wachen und wir schlafen; das eine ist nicht ohne das andere. Das Prinzip der Gegensätze – Yin und Yang – ist ein universelles Prinzip:
- Tag und Nacht
- Licht und Schatten
- Hitze und Kälte
- Anfang und Ende
- Nähe und Ferne
- Geburt und Tod
- Glück und Unglück
- Aktivität und Passivität
- Einatmen und Ausatmen
- Wachen und Schlafen
- Augen auf, Augen zu
Das 4. Hermetische Prinzip, das Gesetz der Polarität, besagt:
„Alles ist zweifach, alles ist polar, alles hat seine Gegensätze; Gleich und Ungleich ist dasselbe. Gegensätze sind ihrer Natur nach identisch, nur in ihrer Ausprägung verschieden; Extreme begegnen einander, alle Wahrheiten sind nur Halb-Wahrheiten; alle Paradoxa können in Übereinstimmung gebracht werden.“
Aus dem Buch: „Das Kybalion“
Schlafen muss jeder selbst. Das Einschlafen ist eine individuelle Angelegenheit. Mit dem Schlafen betreten wir unsere eigene Welt, denn wir lösen uns vom Außen und ziehen uns zurück, so wie eine Schnecke sich in ihr Schneckenhaus zurückzieht. Wir machen die Augen zu, wenden uns nach innen und ruhen: Passivität oder volles Yin. Im Schlaf verlangsamt sich unsere Atmung, so dass wir uns erholen und regenerieren können. Tatsächlich verjüngen wir uns im Schlaf. Der Schlaf ist eine Art Selbstreinigungsprozess und wir sagen ja nicht umsonst „Schlaf ist die beste Medizin“.
Das Gehirn räumt auf und sorgt für Reinigungs-, Reparatur- und Entsorgungsprozesse. Es finden Zellerneuerung und Hautregeneration statt, das Immunsystem stärkt sich, die Muskulatur erholt sich, Giftstoffe werden abgebaut und so vieles mehr. Guter Schlaf ist wesentlich, damit wir uns am Morgen erfrischt fühlen und hinausposaunen können:
„Today is a good day for a good day.“
Nach dem allnächtlichen „Rückwärts“ geht es am Morgen wieder „vorwärts“. Von der „Heimat“ ins Auswärts, könnte man sagen. „Auf zu neuen Taten.“
Wenn wir wach sind, dann haben wir die Augen offen und kehren ins Außen zurück, in die gemeinsame Welt, ins Kollektiv: Aktivität, volles Yang. Im günstigsten Fall sind wir ausgeschlafen. Wir atmen schneller, denn wenn wir wach sind, benötigt unser System mehr Sauerstoff.
Jemanden umgangssprachlich als „ausgeschlafen“ zu bezeichnen, bedeutet, sehr wach und clever, gar erfrischend zu sein.
„Genie ist Ausgeschlafenheit.“
Thomas Mann
Ist Einschlafen eine Schwellenerfahrung? Ich denke, ja, und bin da ganz bei Arthur Schopenhauer, der jedes Einschlafen als kleinen Tod bezeichnet.
„Der Schlaf ist die Nabelschnur, durch die das Individuum mit dem Weltall zusammenhängt.“
Friedrich Hebbel
Dort, wo Neptun in unserem Horoskop steht, dort ist unsere Nabelschnur zum Universum. Die Nabelschnur ist die lebenswichtige Verbindung von Mutter und Kind. Größer gedacht ist es das Universum und das himmlische Kind. Die Frage ist: Wie groß können wir das Wort „Mutter Gottes“ denken?
Das 12. Fische-Haus ist das Haus der Auflösung und Erlösung. Es ist dem Element Wasser zugeordnet, das wir auch mit Auflösung in Verbindung bringen können. Wir Menschen bestehen hauptsächlich aus Wasser, Neugeborene gar zu ca. 80 %. Das macht es sicherlich leichter, am Ende unserer Tage wieder ins Urmeer abzutauchen und in der Allverbundenheit aufzugehen.
Viele Schöpfungsgeschichten beginnen mit Wasser, dem Ur-Meer, dem Chaos. Die Ordnung entstand aus dem Chaos.

Die Zahl 12 steht für Vollkommenheit und die göttliche Ordnung.
Das 12. Haus ist das am wenigsten materielle Haus, denn es geht um das Unbewusste, das Immaterielle. Wir lösen uns von der Welt und verbinden uns mit etwas Höherem.
Eine Ahnung davon bekommen wir über die Spiritualität und Träume.
Hypnos ist der griechische Gott des Schlafes. Er ist Sohn der Nyx (Nacht) und Zwillingsbruder des Thanatos (sanfter Tod). Eines seiner Kinder ist Morpheus, Gott der Träume.
Das altgriechische Wort „Hýpnos“ bedeutet „Schlaf“. Hypnos konnte Götter, Menschen und Tiere in den Tiefschlaf versetzen. Abgeleitet hiervon ist die Hypnose, mit derer wir in einen anderen Bewusstseinszustand gebracht werden können.

Zu den Attributen von Hypnos gehören Mohnblumen, ein Horn mit Schlafmohn (Opium, getrockneter Milchsaft, der durch das Anritzen der Samenkapseln gewonnen wird), ein Lethe-Zweig (Lethe = der Fluss des Vergessens) und eine umgekehrte Fackel (der Tag ist erloschen; Schlaf kehrt ein). Die Mohnblume symbolisiert den Schlaf und die Träume. Bekannt ist die berauschende Wirkung von Schlafmohn (Papaver somniferum). Alle Teile des Schlafmohns enthalten Morphin (Morphium) und das wird wiederum häufig zur Behandlung von Schmerzen am Lebensende verwendet.
„Ist der Tod nur ein Schlaf, wie kann dich das Sterben erschrecken? Hast du es je noch gespürt, wenn du des Abends entschliefst?“
Friedrich Hebbel
Der Tod ist ein ewiger Schlaf. Ein anderes und schönes Wort für „sterben“ ist „entschlafen“. Ob es ein Schlaf ohne Träume ist, ein bewusstloser Schlaf, das Ende des bewussten Lebens oder das Ende der Individualität, wir wünschen uns den ewigen Frieden oder das bekannte „Ruhe in Frieden“.
Wusstest Du, dass wir schneller atmen, wenn wir träumen? Träume sind hochgradig emotional. In der Nacht bzw. in Träumen „verdauen“ wir das Tagesgeschehen: Bilder, Erlebnisse, Erinnerungen, Gefühle etc. In den Traumphasen ist unser Gehirn sehr aktiv und verarbeitet diese ganzen Emotionen. Jeder Mensch träumt jede Nacht. Die Frage ist, inwieweit wir uns erinnern können. Das wiederum ist von der Persönlichkeit abhängig und vielleicht auch eine Frage des Bewusstseins.
„Bewahre dir deine Träume.
Charles Baudelaire
Die Vernünftigen träumen nicht so schön wie die Verrückten.“
Das 12. Haus steht für alles Verborgene und Unbewusste. Es ist das letzte Haus im Tierkreis. Von Kopf (1. Haus/Widder/Mars) bis Fuß (12. Haus/Fische/Neptun). Und so finden wir astromedizinisch die Füße im 12. Haus. Wenn ein Mensch stirbt, soll er mit den Füßen zuerst aus dem Haus getragen werden. Wir können sagen:
Haus 1/Widder/Mars: mit dem Kopf zuerst
Haus 12/Fische/Neptun: mit den Füßen zuletzt
Jedoch finden wir nicht nur die Füße in Haus 12, sondern auch die Hormone und Hormondrüsen (z. B. Nebennierenrinde (Sexualhormone), Nebennierenmark (Stresshormone), Zirbeldrüse (Melatonin), Schilddrüse (Thyroxin) etc.). Was den Schlaf anbelangt, so kommt uns vermutlich das „Schlafhormon“ Melatonin in den Sinn, das bei Dunkelheit ausgeschüttet wird und für Müdigkeit sorgt. Gebildet wird es in der Zirbeldrüse und es signalisiert: Es ist Zeit, zu schlafen. Melatonin reguliert den Schlaf-Wach-Rhythmus.
Der Gegenspieler des Melatonins („Schlaf-Hormon“) ist das Cortisol („Aufwach-Hormon“). Sein Spiegel sinkt am Abend und steigt am Morgen. Hormone sind Botenstoffe und verrichten ihre Arbeit im Verborgenen.
Das 12. Haus ist das feinstoffliche System, die energetische Ebene des Menschen. Der Mensch ist ein ganzheitliches System: grobstofflich (Körper) und feinstofflich (Seele und Geist). Man sagt, Fische- bzw. Neptun-betonte Menschen haben sehr feine Antennen. Heute nennen wir es „hochsensitiv“.

Schlaf ist die Verschmelzung mit dem Göttlichen. Das bewusste „Ich“ tritt zurück. Schlaf ist ein Akt des Vertrauens und „Fische“ ist mit so einem Gottvertrauen gesegnet. Denke hier auch an den alten Herrscher von Fische: Jupiter (grenzenloses Vertrauen, Gutgläubigkeit). Wir vertrauen in etwas, das so viel größer ist als wir.
Wenn wir schlecht schlafen können, bleibt die Frage, ob wir uns etwas Höherem anvertrauen können. In wessen Hände können wir uns getrost, zu vollen 100 %, legen? Wo ist für uns dieses Stück Geborgenheit, dieses Fleckchen Heimat, das uns erlaubt, die Augen zu schließen und loszulassen und zu wissen: Wir werden gehalten?
„Oh welche Zauber liegen in diesem kleinen Wort: Daheim.“
Emanuel Geibel
Schlaf ist eine Form der inneren Einkehr. Der Dalai Lama Tenzin Gyatso sagte einst: „Sleep is the best meditation.“ Wenn wir jedoch nicht gut schlafen können, hilft uns dieser fromme Satz auch nichts. Umgekehrt jedoch kann uns die Meditation helfen, besser zu schlafen. Die Meditation ist eine bewusste Ruhepause und innere Ruhe ist die Voraussetzung für das Einschlafen.
Durch Meditation und Atemübungen können wir diese Inneneinkehr unterstützen. Es gibt Atemrhythmen, die unser System entschleunigen und sehr entspannend sind, so z. B. der Rhythmus 4-7-8 (4 Sek. einatmen, 7 Sek. halten, 8 Sek. ausatmen). Die Ausatmung (Yin) ist bei diesen Atemtechniken stets länger als die Einatmung (Yang), was Sinn macht, da wir das „System“ runterfahren wollen.
Man kann den Stellenwert von Schlaf nicht hoch genug ansetzen. Er dient der Regeneration und Stärkung des Immunsystems. Interessanterweise finden wir das Immunsystem in Haus 1 und Haus 12. Im Wachzustand bzw. am Tag reagiert das Immunsystem auf Eindringlinge. Im Schlafzustand bzw. in der Nacht repariert und reinigt es.
Kurz gefasst geht es mit Fische/Neptun/12. Haus um:
- Spiritualität, Meditation, Mystik, Esoterik
- Rückzug, Allein-Sein und Alleins-Sein
- Frieden, Ruhe, Stille, jenseits von Raum und Zeit
- Ganzheitlichkeit, Suche nach Einheit
- All-Verbundenheit, Grenzenlosigkeit
- Selbstvergessenheit, Selbstlosigkeit
- Sehnsucht, Fantasie, Traumwelten, Träume, Schlaf
- Hypnose, Narkose, Betäubung
- Suche, Sucht, Flucht, Illusion
- Verborgenes, Verschwommenes, Verschleiertes, Unsichtbares
- Heimlichkeit, Geheimnis
- Mitgefühl, Mitleid, große Hilfsbereitschaft bis hin zur Aufopferung
„Fische“ löst alle Grenzen auf, „no bounds“. Wir entfliehen der Realität und unsere Seele kehrt dorthin zurück, woher sie gekommen ist. So ist es eine Heimkehr zurück in die Allverbundenheit, zurück ins Paradies.
„I slip into the ocean. I’m going home.“
Darüber schreibe ich auch in meiner Trilogie „Mein Weg zurück zum Ursprung“©.

„Kindness has no boundaries. It is the language of the soul.“
Amit Ray
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