„Wenn wir einen Menschen glücklicher und heiterer machen können, so sollten wir es auf jeden Fall tun, mag er uns darum bitten oder nicht.“
Hermann Hesse
Wer möchte nicht dieser jemand sein, der am Ende glücklicher und heiterer ist?
Weiterlesen: Eine Frage des MitgefühlsMitgefühl und Rücksichtnahme gehen Hand in Hand. Das eine ist eine innere Einstellung, das andere eine äußere Haltung.
Wenn jemand auf uns Rücksicht nimmt, dann empfinden wir das als überwiegend angenehm. Rücksicht bedeutet dann: Ich werde gesehen. Wir fühlen uns beachtet und gewertschätzt, ein wunderschönes Gefühl.
„Wer Umsicht, Vorsicht und Rücksicht übt, wird der Gegenwart, Zukunft und Vergangenheit gerecht.“
Theodor Toeche-Mittler
Gesehenwerden ist eine Voraussetzung für Verstandenwerden. Wenn wir gesehen werden, dann können wir uns öffnen. Wir öffnen unser Herz. Wenn wir verstanden werden, dann können wir vertrauen.
Rücksicht ist also der Schlüssel zu einem wertschätzenden Miteinander, zu einem zugewandten und wohlwollenden Umgang und am Ende zu mehr Vertrauen.

Hast Du auch das Gefühl, dass es in dieser Zeit mit der Rücksichtnahme steil bergab geht und damit auch mit der Übernahme von Verantwortung?
Rücksichtnahme und die Übernahme von Verantwortung sind eng miteinander verknüpft. Sie sind die Basis für ein gutes Miteinander. Wenn jeder Mensch nur an sich selbst denkt und sich selbst der Nächste ist, dann fehlt es zwangsläufig irgendwann an Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe und der Mensch merkt das. Wir verlieren das Vertrauen und den guten Glauben.
Rücksichtslosigkeit wurzelt häufig in einem ungesunden Ego. Was ist das Ergebnis davon? Das eigene Wohl steht über dem Wohl der anderen. Dann geht es um das Wohl eines Einzelnen, nicht aber um das Wohl der Gemeinschaft. Das ist weder im Sinne eines wertschätzenden Miteinanders noch ein Umgang auf Augenhöhe.
„A bad day for the ego is a good day for the soul.“
Robin Sharma
„Rücksicht“ bedeutet „ich sehe zurück“. Dazu muss man innehalten. Es funktioniert nicht gut, nach vorne zu laufen und nach hinten zu sehen. Rücksicht basiert auf Achtsamkeit. Diese erfordert Fokus und der geht immer in eine Richtung.

„Wo immer du bist, sei ganz dort.“
Eckhart Tolle
Die aktuelle Zeitqualität ist jedoch durch ein enormes Tempo geprägt. Das, was gestern noch war, ist schon heute nicht mehr. Die Geschwindigkeit, in der sich die Dinge entwickeln – vorangetrieben vor allem durch Künstliche Intelligenz und Digitalisierung – raubt uns den Atem. Alles drängt kraftvoll und unaufhaltsam vorwärts und lässt uns reizüberflutet zurück.
Und was macht das mit uns Menschen? Wir sind
- getrieben
- hektisch
- unruhig
- aufgeregt
- genervt und entnervt
- gestresst
- unaufmerksam
- zerstreut
Du kennst bestimmt die Redewendungen „neben der Spur sein“, „durch den Wind sein“, „nicht bei der Sache sein“ oder „eine kurze Zündschnur haben“, die genau das ausdrücken. Das klingt alles sehr nach „Wassermann“ und das ist es auch. Allerdings sind das die Schattenseiten des Tierkreiszeichens Wassermann.
„Ruhe zieht das Leben an, Unruhe verscheucht es.“
Gottfried Keller
Aus der Unruhe heraus kann nichts Gutes entstehen. Wir treffen keine guten Entscheidungen aus dem Zustand der Unruhe. Oft führt es zu überstürzten und emotionalen Handlungen. Lebst Du oder wirst Du gelebt? Gerade die Künstliche Intelligenz gibt uns das Gefühl von „wir werden gelebt“. Wir fühlen uns als Opfer äußerer Umstände. Leben wir selbstbestimmt oder fremdbestimmt? Wir sind nicht mehr bei uns, sondern außer uns. Bildlich gesprochen sind wir nicht das ruhende Auge im Sturm, sondern wirbeln im Sturm umher.

Viele der Schöpfungsgeschichten erzählen davon: Geschöpft wird aus der Ruhe heraus.
„A seed grows with no sound, but a tree falls with a huge noise. Destruction has noise, but creation is quiet.“
Confucius
Und auch die Regeneration erfolgt aus dem Zustand der Ruhe und nicht aus der Bewegung. Bewegte Zeiten erfordern Ruhe. Sehr bewegte Zeiten erfordern sehr viel Ruhe, andernfalls geraten wir aus der Balance. Ein aus der Balance geratenes Leben ähnelt einem Lauf im Hamsterrad des Lebens, das ein ergebnisloses Rennen ist. Geh also langsamer, wenn es hektisch wird.
„Go fast enough to get there, but slow enough to see.“
Jimmy Buffett
„In der Ruhe liegt die Kraft“ lautet ein Sprichwort und eigentlich weiß der Mensch das. Wir müssen uns „nur“ immer wieder daran erinnern. Aus der Ruhe heraus zu handeln, bedeutet, klar und fokussiert zu handeln.

Wir wachsen von innen nach außen, so wie ein Baum. Von daher muss unser Fokus auch immer wieder dorthin gehen. Erst nach innen und dann nach außen. Der Weg führt von unserer eigenen, kraftvollen Mitte nach außen. Stark im Inneren, beweglich und flexibel wie ein Bambus nach außen, egal, welche Stürme da draußen toben. „We move with the wind.“ Das macht uns widerstandsfähig, egal was auf uns einwirkt. Wir bleiben standhaft.
„Bamboo is flexible, bending with the wind but never breaking, capable of adapting to any circumstance. It suggests resilience, meaning that we have the ability to bounce back even from the most difficult times.“
Ping Fu
Nur so sind wir nicht aus der Ruhe zu bringen. So laufen wir nicht neben der Spur, sondern in der Spur, ruhig und fokussiert. Wir bleiben stark und unzerstörbar.
„There is a POWER in you that water can’t wet, fire can’t burn, wind can’t blow down, and earth can’t crush. This power is indestructible, unshakable, and immeasurable.“
Bhagavad Gita 2,23
Aus einem Zustand der Ruhe und Kraft nehmen wir uns die Zeit, um uns umzuschauen und zurückzuschauen, damit wir unsere Mitmenschen nicht aus den Augen verlieren. Wir tragen Verantwortung füreinander.
„Nächstenliebe lebt mit tausend Seelen,
Marie von Ebner-Eschenbach
Egoismus mit einer einzigen, und die ist erbärmlich.“
Und Nächstenliebe und Rücksichtnahme beginnen natürlich bei uns selbst. Ansonsten wird aus Rücksichtnahme falsche Rücksichtnahme, zu unserem Nachteil. Bei falscher Rücksichtnahme oder einem Zuviel an Rücksichtnahme stellen wir unsere eigenen Bedürfnisse zu weit zurück.
Das eine Extrem ist also mangelnde Rücksichtnahme oder Selbstzentriertheit und das andere Extrem ist falsche Rücksichtnahme oder Selbstaufgabe. Wir suchen den gesunden Weg dazwischen, respektieren die Bedürfnisse der anderen und unsere eigenen.
„Ohne Liebe zu sich selbst ist auch die Nächstenliebe unmöglich.“
Hermann Hesse
Wenn wir von gesunder Rücksichtnahme und Nächstenliebe sprechen, sind wir astrologisch gesehen bei Neptun, dem Herrscher des Zeichens Fische. Hier sind wir im letzten Haus des astrologischen Tierkreises, dem 12. Haus, dem Haus der Allverbundenheit. Spätestens hier wissen wir: Aus der Einheit sind wir gekommen und in die Einheit kehren wir wieder zurück.
Das letzte Hemd hat keine Taschen und so sind das, was am Ende bleibt: Mitgefühl und Dankbarkeit.
„Wenn wir stark sind in der Nächstenliebe und danach handeln:
Mengzi
Das ist der Weg zu Vollkommenheit.“
Wertschätzung beginnt mit uns selbst und strahlt dann ins Außen. Es geht nie um uns selbst, aber es beginnt mit uns selbst.
Rücksichtnahme bedeutet:
- Anteilnahme
- Aufmerksamkeit
- Achtsamkeit
- (Ob)acht
- Fürsorge
- Menschenliebe
- Nächstenliebe
Im Horoskop ist die Achse Jungfrau/Fische (Haus 6/Haus 12) die Fürsorge-Achse. Ihr Thema ist „helfen und heilen“. Mit „Jungfrau“ ist es die praktische Hilfe und „Fische“ leistet Hilfe auf seelischer Ebene durch Mitgefühl oder „Mitleiden“. Man kann diese Achse in dieser Zeit nicht hoch genug einschätzen. Es geht um das Wohlbefinden der anderen oder „zum Wohle von“. Wäre es nicht schön, wenn jedem Menschen das Wohl eines anderen am Herzen läge? Wie viel freundlicher wäre diese Welt? Das wäre wahre Inklusion.
Anstatt 10 000 Schritte vorauszurennen oder zu rasen – und oft wissen wir noch nicht einmal, wohin überhaupt –, sollten wir hin und wieder innehalten, ein paar Schritte zurückgehen und zurückschauen. Gehen wir noch gemeinsam in die Zukunft oder haben wir nicht bereits das Wichtigste verloren: uns?
„There are only two days in the year that nothing can be done.
Tenzin Gyatso, 14th Dalai Lama
One is called Yesterday and the other is called Tomorrow.
Today is the right day to Love, Believe, Do and mostly Live.“
Es ist ein Miteinander und kein Gegeneinander. Was braucht es dazu?
Um es mit Neptuns Worten auszudrücken: Liebe. Nein, es ist mehr als das: All-Liebe. Es braucht nicht nur schöne Worte, sondern echte Taten. Und es braucht ein offenes Herz, damit unser eigenes Licht strahlen kann und wir das Licht im anderen erkennen können. Das Licht in mir erkennt das Licht in Dir und umgekehrt. Wir sehen und werden gesehen – wir achten und werden beachtet. Wir haben Achtung voreinander.
„Die Achtung voreinander bestimmt den Umgang miteinander.“
Ernst Ferstl
Ein schöner Begriff ist auch „Barmherzigkeit„, eine Haltung der Liebe und des Mitgefühls.

Das Leben ist Einatmen und Ausatmen, ist ein Geben und ein Nehmen. Manchmal atmen wir mehr ein als aus und manchmal ist es genau umgekehrt, abhängig von dem, was wir brauchen. So wie uns der Atem verbindet, so verbinden uns auch das Geben und Nehmen miteinander. Rücksichtnahme ist eine Form von Geben und Nehmen. Und wenn – so wie es in der Bibel steht – Geben glückseliger als Nehmen ist, dann weißt Du, was zu tun ist.
„Love has nothing to do with what you are expecting to get – only with what you are expecting to give – which is everything.“
Katherine Hepburn
Ein Leben in Mitgefühl führt zu einer tiefen inneren Verbundenheit.
Welche Pflanze symbolisiert Mitgefühl?
Eine, die in diesem Sinne Tränen der Liebe vergießt, ist das Tränende Herz.
Das „Tränende Herz“ (Lamprocapnos spectabilis) wird auch als Herzblume, blutendes Herz oder Marienherz bezeichnet. Diese Pflanze steht für die bedingungslose Liebe.
Schau mal hier, wie wunderschön diese Herzblume ist:

„The heart is like a garden. It can grow compassion or fear, resentment or love. What seeds will you plant there?“
Jack Kornfield
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„Geben ist glückseliger als Nehmen!“ (Apostelgeschichte 20,35; Schlachter 2000)

